Angebliche Polizisten haben bereits Tausende Euro erbeutet / Die wichtigsten Fragen und Antworten

Die aktuelle Welle betrügerischer Anrufe von angeblichen Polizisten im Raum Duderstadt ebbt nicht ab. Am vergangenen Donnerstag, 7. November, waren die Täter mit ihrer aktuellen Masche erfolgreich: Eine 65-Jährige aus Duderstadt übergab den vermeintlichen Beamten mehrere Tausend Euro. Die Polizei warnt vor der Professionalität der Betrüger. Hier finden Sie die wichtigsten Informationen und Tipps, wie Sie die Betrüger erkennen und mit ihnen umgehen können.

Wer ist das typische Opfer?

Potenziell könne jeder betroffen sein, betont Marco Otte, Beauftragter für Kriminalprävention der Polizei in Göttingen. Vornehmlich rufen die Täter aber ältere und alleinstehende Menschen an. Diese würden aus mehreren Gründen als vermeintlich einfache Opfer erkannt, sagt Otte. Die Anrufer versuchten, die Hilfsbereitschaft und Gutgläubigkeit ihrer Opfer auszunutzen: „Den Leuten wird erzählt, sie könnten der Polizei helfen, Kriminelle zu überführen.“ Da ältere Menschen auch häufiger Geld bei sich zu Hause sparten, sei es wahrscheinlicher, hier Beute zu machen.

Wie suchen sich die Täter ihre Opfer?

Die Anrufe kämen aus ausländischen Callcentern, sagt Otte. Dort gingen die Täter offenbar denkbar einfach vor, um sich ihre Opfer zu suchen: „Wir haben Häufungen von Anrufen bei Menschen mit gleichem Vornamen in bestimmten Ortschaften.“ Die Täter nutzten offenbar Telefonbucheinträge. Dabei würden sie in einem Ort nach bestimmten Vornamen suchen, die in den älteren Generationen verbreitet sind. Diese Menschen riefen sie dann systematisch an.

Seit vergangenem Jahr setzen Betrüger wieder verstärkt auf Telefonanrufe – die aktuelle Anrufwelle ist nur der jüngste Fall. Nach Maschen wie dem Enkeltrick sei sie nun nur eine neue Spielart, sagt Otte. Allein in der vergangenen Woche meldeten über 30 Betroffene einen betrügerischen Anruf. Doch die tatsächliche Zahl dürfte deutlich höher liegen, sagt Otte. Denn viele Menschen hielten es nicht für nötig, sich bei der Polizei zu melden. Außerdem könne es sein, dass einige, wenn sie auf den Betrug hereingefallen sind, sich schämten: Gerade ältere Menschen könnten in diesem Fall Sorge haben, ihre Selbssttändigkeit zu verlieren. Dabei sei es nachvollziehbar, warum Menschen auf den Betrug hereinfallen, sagt Otte.

Wie erkenne ich die Betrüger am Telefon?

Man dürfe sich jedoch von Anzeichen professioneller Strukturen bei den Anrufern nicht verunsichern lassen, betont Otte. Die Betrüger könnten zum Beispiel auf Anfrage vortäuschen, ihre Opfer an einen Vorgesetzten weiterzuleiten. Die Täter erzählten immer dieselben Geschichten. Vor allem aber ließen sie sich an ihrem Verhalten erkennen:

  • Sie rufen scheinbar von der Notrufnummer 110 an. Das tut die Polizei nicht.
  • Sie fragen nach Informationen über Bargeld und Wertgegenstände im Haus.
  • Sie wollen wissen, ob es Alarmanlagen oder Kameras am Haus gibt.
  • Sie fordern ihre Opfer auf, Geldbeträge an Mittelsmänner zu übergeben oder zu hinterlegen.

Zurzeit sind die Täter mit zwei Geschichten unterwegs: Im ersten Fall erzählen sie ihren Opfern, die Polizei habe in der Nachbarschaft einen Einbruch verhindert, jedoch sei ein Teil der ertappten Bande noch auf der Flucht. Eine sichergestellte Liste enthalte auch die Adresse der Angerufenen. Um diese vor einem Diebstahl zu schützen, biete die Polizei ihnen an, ihre Bargeldbestände und Wertgegenstände zu lagern, bis die Bande gefasst sei.

Anderen Opfern erzählen die Betrüger, in der lokalen Bank gebe es Mitarbeiter, die als Mitglieder einer Bande Falschgeld ausgäben. Die Angerufenen könnten der Polizei bei den Ermittlungen helfen, indem sie eine größere Summe von ihrem Konto abheben und das Geld der Polizei zur Überprüfung übergeben.

Was kann ich tun, um der Polizei zu helfen?

Die einfachste Lösung, um die persönliche Sicherheit zu gewährleisten: Auflegen und den Anruf der echten Polizei melden. Jede Anzeige helfe den Ermittlern, Muster zu erkennen und so weitere Betrugsversuche zu vermeiden, sagt Otte. Sein Wunsch – im Wissen, wie schwierig es ist, trotz Drucksituation geistesgegenwärtig zu reagieren: Die Anrufer hinhalten. „Man kann behaupten, man müsse sein Sparbuch erstmal suchen und könne in fünf Minuten mehr sagen. In der Zwischenzeit informiert man die Polizei – am besten mit einem anderen Telefon, denn die Betrüger machen Kontrollanrufe. Wir können uns dann direkt einschalten.“

 

Entnommen aus dem Eichsfelder Tageblatt vom 12.11.2019. Bericht Tammo Kohlwes.