Landkreis wird in drei Regionen aufgeteilt / Abschnittsleiter bereits gewählt

Für die Kreisfeuerwehr des Landkreises Göttingen beginnt am 1. Oktober ein neues Kapitel. Beginnend mit dem vierten Quartal 2020 gilt eine neue Struktur mit drei Brandschutzabschnitten. Das Gebiet des Landkreises ist dann in die Abschnitte I, II und III aufgeteilt, statt wie bisher in die vier Regionen Nord, Ost, West und Mitte.

„Um die Kreisfeuerwehr strukturell zukunftsfähig aufzustellen, hat der Kreistag am 8. Juli eine Änderung der Satzung der Kreisfeuerwehr beschlossen“, erklärt Ulrich Lottmann, Verwaltungssprecher des Landkreises Göttingen. „Eine wesentliche Änderung ist die Reduktion der Brandschutzabschnitte von vier auf drei.“ Die regionale Aufteilung in Brandschutzabschnitte sei ein Führungsinstrument für das Feuerwehr-Kreiskommando, so der Landkreissprecher. Der Kreisbrandmeister werde durch die Abschnittsleiter unterstützt.

Gemeindeübergreifende Einsätze

Die Kreisfeuerwehr bestehe nicht physisch wie die Gemeindefeuerwehren, erläutert Lottmann. So gebe es zum Beispiel kein Personal. Sie sei vielmehr eine Struktur für gemeindeübergreifende Einsätze im Landkreis, beziehungsweise die Vorbereitung darauf, oder aber bei Anforderungen aus anderen Landkreisen wie zum Beispiel bei Moorbränden oder Hochwasser.

Dabei gehe es aber weniger um die Alarmierung zu Einsätzen bei Bränden oder Unfällen im Grenzbereich der unterschiedlichen Brandschutzabschnitte. Das sei bereits in der Alarm- und Ausrückeordnung festgelegt, sagt Kreisbrandmeister Volker Keilholz. „In der Gemeinde Gleichen gibt es keine Drehleiter“, nennt er ein Beispiel. „Wird eine benötigt, wird die aus Duderstadt angefordert.“ Bei Unfällen auf der Bundesstraße 27 zwischen Gieboldehausen und Herzberg werden grundsätzlich beide Feuerwehren alarmiert.

Die Kreisfeuerwehr stehe aber allen Gemeinden im Landkreis bei Bedarf zur Verfügung. Meist komme sie bei Großschadenslagen oder im Katastrophenfall zum Einsatz. Aber auch bei Gefahrgutunfällen, wenn Spezialfahrzeuge und -geräte benötigt werden. Die Kreisfeuerwehr wird aus Fahrzeugen der Stadt- und Gemeindefeuerwehren zusammengestellt und durch spezielle Fahrzeuge des Landkreises ergänzt.

„Die Kreisfeuerwehr organisiert aber auch Ausbildungen“, so Lottmann weiter. Das Ausbildungsprogramm werde demnächst wieder starten. Die Kreisfeuerwehr kümmere sich darüber hinaus auch um die Bestellung von Material. Zusammengefasst übernehme sie koordinierende Aufgaben.

„Einteilung sinnvoller“

Ein Grund für die Reduzierung der Brandschutzabschnitte, der immer wieder genannt wird, ist das Thema Einsparungen. Es habe zwar eine Produktanalyse gegeben, bei der jede Aufgabe betrachtet wurde. „Das war aber nicht der Hauptgrund“, betont Lottmann. „Der Hauptgrund war, die Kreisfeuerwehr zukunftsfähig aufzustellen.“ Und dafür sei die Einteilung in drei Brandschutzabschnitte als sinnvoller erachtet worden.

Der Vorschlag für einen Neuzuschnitt der Brandschutzabschnitte sei gemeinsam von Verwaltung und Kreisfeuerwehr seit dem Frühjahr 2019 diskutiert und erarbeitet worden. „Dabei wurden verschiedene mögliche Varianten erörtert und Vor- und Nachteile abgewogen.“ Schließlich hatten die Stadt- und Gemeindebrandmeister sowie das Kreiskommando mehrheitlich dem Vorschlag zugestimmt. „Das Votum war: 18 Ja-Stimmen, eine Nein-Stimme und vier Enthaltungen“, berichtet Lottmann. Das Modell sei in der Feuerwehr entstanden. Der Kreistag sei daraufhin dem Votum gefolgt.

Das neue Konzept sieht künftig eine Einteilung des Landkreises in drei Brandschutzabschnitte vor. Nicht involviert in das Konzept ist die kreisfreie Stadt Göttingen, die eine eigenständige Feuerwehrstruktur unterhält. Zum Brandschutzabschnitt I des Landkreises Göttingen gehören die Feuerwehren des bisherigen Abschnitts West mit Adelebsen, Dransfeld, Hann. Münden und Staufenberg sowie aus dem bisherigen Abschnitt Mitte Friedland und Rosdorf – insgesamt 55 Ortsfeuerwehren. Fünf Ortswehren mehr (60) umfasst der Abschnitt II, in dem die des bisherigen Abschnitts Ost mit Bovenden, Duderstadt, Gieboldehausen und Radolfshausen sowie Gleichen aus dem bisherigen Abschnitt Mitte vereint sind. Der zahlenmäßig kleinste Abschnitt III beinhaltet die 36 Ortsfeuerwehren aus dem bisherigen Abschnitt Nord mit Bad Grund, Bad Lauterberg, Bad Sachsa, Hattorf, Herzberg und Osterode.

„Die Zahlen der Ortsfeuerwehren können ein Kriterium für eine Neustrukturierung sein“, sagt Lottmann. „Ideal wären sicherlich drei gleich große Brandschutzabschnitte.“ Aber ein weiteres Kriterium stellen die Anforderungen für die Feuerwehren dar. „Und die sind im Harz anders als an der Weser.“ Deshalb sei auch darauf geschaut worden, welche Zusammenarbeit es schon gebe. Auch wenn der bisherige Abschnitt West aufgeteilt worden sei: „Es war nicht der Ansatz, einen Abschnitt auseinanderzunehmen. Vielmehr sind wir an die Aufgabe mit der Fragestellung herangegangen: Wie würden wir die Struktur aufstellen, wenn es die alten Strukturen nicht gäbe?“ Die neuen Brandschutzabschnitte könne man aber nicht gleichsetzen mit den früheren Bereichen.

Abschnittsleiter gewählt

Zur Umsetzung der Satzungsänderung fanden jüngst Vorschlagswahlen zur Besetzung der Positionen der Abschnittsleitungen und deren Stellvertretungen statt, berichtet Lottmann. Auf Einladung des Landkreises haben die Feuerwehren in allen drei Brandschutzabschnitten Vorschläge zur Besetzung der Führungspositionen per Abstimmung gewählt.

In drei getrennten Sitzungen wählten die Feuerwehren ihren Leiter. In Brandschutzabschnitt I votierten sie für Achim Spangenberg aus der Stadt Hann. Münden als Abschnittsleiter und Stefan Kuhn aus der Gemeinde Staufenberg als Stellvertreter. Die Feuerwehren im ersten Abschnitt sprachen sich dafür aus, zwei Stellvertreter zu berufen. Der Kandidat oder die Kandidatin für den Posten des zweiten stellvertretenden Abschnittsleiters werde zu einem späteren Zeitpunkt gewählt.

Im Brandschutzabschnitt II wurde Claus Bode aus der Samtgemeinde Gieboldehausen zum Abschnittsleiter gewählt. Seine gleichberechtigten Stellvertreter sind Kai Walter aus der Stadt Duderstadt und Heiko Böhlken aus der Gemeinde Gleichen. Den Brandschutzabschnitt III wird Christian Wille aus der Stadt Osterode am Harz leiten. Die Stellvertretung soll Markus Herzberg aus der Stadt Herzberg am Harz übernehmen. Im dritten Abschnitt haben sich die Feuerwehren für nur eine Stellvertretung entschieden.

Mit den Wahlen in den Brandschutzabschnitten seien die Abschnittsleiter und ihre Stellvertreter aber noch nicht im Amt, erklärt Keilholz den weiteren Ablauf des Vorgangs. Zunächst müsste Regierungsbranddirektor Karl-Heinz Banse den Wahlergebnissen zustimmen. Anschließend werden die Mitglieder im Ausschuss für Finanzen und öffentliche Einrichtungen in ihrer Sitzung am 24. September darüber befinden. Nach dem Kreisausschuss, der am 29. September tagt, müssen schlussendlich noch die Mitglieder des Kreistages in ihrer Sitzung am 30. September ihre Zustimmung geben, ehe die gewählten Vertreter vom Landrat ernannt werden können.

 

Entnommen aus dem Eichsfelder Tageblatt vom 18.09.2020. Bericht Rüdiger Franke. Grafik Tater / ET.