Überpfarrlicher Personaleinsatz: Im Dekanat Untereichsfeld sind künftig zwei Priester-Teams für sechs Gemeinden zuständig

Mit Einführungen des neuen Teams um Pfarrer Matthias Kaminski an diesem Sonntag in Gieboldehausen ist die neue Personalstruktur bei der katholischen Kirche im Untereichsfeld vollzogen. Konkret bedeutet das, dass etwa 26 000 praktizierende Katholiken künftig von zwei Teams bestehend aus jeweils einem Pfarrer, einem Pfarrvikar und einem Gemeindereferenten, betreut werden.

Der prachtvoll gestaltete Altarraum der St. Laurentius-Kirche in Gieboldehausen glänzt an diesem Sonntagmorgen besonders golden. Die Herbstsonne glitzert durch die Fenster. Es ist Kirchweihfest, die Bänke sind gut gefüllt, gleich drei Geistliche feiern gemeinsam den Gottesdienst, umschwirrt von zahlreichen Messdienern. Weihrauch, Kerzen, Sekt beim anschließenden Empfang. Es wirkt wie eine Erinnerung an alte Tage, an einer Zeit des Überflusses.

Rückläufige Mitgliederzahlen

Tatsächlich wird aber an diesem Tag genau das Gegenteil besiegelt – die Umsetzung einer personellen Unterversorgung. Generalvikariatsrat Christian Hennecke hat sich auf den Weg aus der Domstadt Hildesheim in den Flecken Gieboldehausen begeben, um die Ernennungsurkunde für Pfarrer Kaminski zu verlesen. Um den Neuen zu präsentieren, der auch der Alte ist. Nur, dass der jetzt einen neuen Zuständigkeitsbereich hat. Zusammen mit Pater Joseph Shijo und Gemeindereferent Thomas Bömeke betreut er künftig 13 Kirchorte in den Kirchengemeinden Gieboldehausen, Bilshausen und Rhumspringe.

„Dies ist sicherlich keine geniale Lösung, es ist eher ein Ausrufezeichen und Wachmacher“, erklärt Hennecke in seiner Ansprache an die anwesenden Gläubigen. Die katholische Kirche befinde sich nicht erst seit den Missbrauchsskandalen in einer Krise. Seit den 1960er Jahren verzeichne sie rückläufige Mitgliederzahlen. Und die Bischöfe stellen sich der Aufgabe, diesen Trend zu überwinden. „Die Frage muss lauten: Wie kann Kirche in der Zukunft funktionieren.“

Für Kaminski, der schon seit 17 Jahren in Gieboldehausen tätig ist, stellt sich diese Frage ganz konkret. Wie kann er mit seinem kleinen Team den Anforderungen und Wünschen der Menschen in drei Gemeinden gerecht werden? Es werde schlicht nicht möglich sein, alle Angebote aufrecht zu erhalten. Gewohntes und Liebgewonnenes werde wegfallen müssen, vermutet der gebürtige Eichsfelder. „Ich weiß, dass Ihnen viel zugemutet wird. Manches ist nicht nach unserem Geschmack. Aber es ist eben 2019, sagt der 60-Jährige.

Drei große Pfarreien

Auch in den drei Pfarreien Nesselröden, Seulingen und Duderstadt hat der sogenannte überpfarrliche Personaleinsatz mit Einführungsgottesdiensten begonnen. Generalvikariatsrat Hennecke hatte auch hier in den heiligen Messen versucht, die Gemeinden auf die neue Situation einzustimmen. „Damit gar nicht erst eine depressive Stimmung aufkommt“, berichtet rückblickend Pfarrer Reinhard Griesmayr. Er bildet zusammen mit Propst Bernd Galluschke, Pater Matthias Balz und Pastor Rafal Nowak das Team für die Pfarreien St. Cyriakus Duderstadt, St. Georg Nesselröden und St. Johannes der Täufer Seulingen. Unterstützt werden sie durch Gemeindereferentin Verena Nöhren und den Rendanten Stefan Dornieden.

„Keiner von uns hat sich diese Situation gewünscht und niemand kann sich ehrlicherweise darauf freuen“, so Griesmayr. „Wir erleben es gerade hautnah an Leib und Seele, wie die bisherige Gestalt von Kirche, an die wir gewöhnt sind, und mit der wir so lange gelebt haben, zerbricht. Und das Neue, das kommen wird, ist noch nicht zu sehen und kaum erst zu erahnen.“

Die Einführung des Propstes als leitender Pfarrer in seine neue Verantwortung für drei fusionierte, große Pfarreien mit 17 Kirchorten und eines ganzen Teams „von pastoralen Arbeitern“ bezeichnet Griesmayr als „ein Zeichen dafür, dass nicht ein Einzelner, auch nicht ein Team und auch nicht noch so viele engagierte und kompetente Ehrenamtliche die neue Situation meistern können.“ Oder wie Pfarrer Kaminski es sagt: „Das wird weh tun, mir auch.“

 

Entnommen aus dem Eichsfelder Tageblatt vom 14.10.2019. Bericht Britta Eichner-Ramm und Markus Scharf. Foto Richter.