Ab April sind in der Natur auch Schleppleinen tabu / Freilaufflächen bleiben Mangelware

Für Hundehalter brechen wieder harte Zeiten an. Um die Kinderstube der Natur zu schützen, gilt in Niedersachsen über die ganzjährigen kommunalen Regelungen hinaus vom 1. April bis 15. Juli eine generelle Leinenpflicht in der freien Landschaft. Der Leinenzwang in der Brut- und Setzzeit ist eine Herausforderung insbesondere für die Frauchen und Herrchen großer und lauffreudiger Hunde, offizielle Freilaufflächen gibt es so gut wie keine.

In Göttingen ist dafür nur eine kleine, von Hecken begrenzte Wiese oberhalb der Schillerwiese ausgewiesen. Geduldet wird das leinenlose Laufen auch auf der als Hundetreffpunkt bekannten Drachenwiese in Geismar, die allerdings keine offizielle Freilauffläche ist. Von Duderstadt bis Hann. Münden gibt es ansonsten keine Möglichkeit, Hunde in Feld, Wald und Flur von der Leine zu lassen.

Sichere Ruhe für Bodenbrüter

In der Brut- und Setzzeit seien handelsübliche Führleinen vorgeschrieben, Schleppleinen nicht zugelassen, so Hundetrainerin Michaela Kleemann: „Es geht nicht nur um das Jagdverhalten, sondern auch um Ruhe für die Bodenbrüter.“ Kleemann verweist auf eingezäunte Freilaufflächen, die auf Vereinsinitiative geschaffen wurden. So bieten die Hundefreunde Nörten-Hardenberg ein Areal am Ortsausgang an der B 446 in Richtung Reyershausen an, die Hundefreunde der Bergstadt Wildemann einen Hundewald im Harz.

Das bewachsene Freilaufgelände an einem Steinbruch biete viele Bewegungsmöglichkeiten, sagt Kleemann. Sie würde es begrüßen, wenn auch mehr Kommunen Auslaufflächen ausweisen würden, und rät Haltern, ihre Gemeinden auf den Bedarf aufmerksam zu machen.

Bei Verstößen gegen die Leinenpflicht drohen Bußgelder bis zu 5000 Euro. Zuständig für den Leinenzwang ist der Landkreis als untere Naturschutzbehörde, die Durchsetzung obliegt aber den Städten und Gemeinden. Kontrollmöglichkeiten im Außenbereich haben die Ordnungsämter kaum, gehen aber Beschwerden nach. Auch die seien selten, bislang sei noch kein Bußgeld verhängt worden, sagt Agneta Fütterer von der Samtgemeinde Gieboldehausen. Zumeist reiche ein freundliches Schreiben, „Wiederholungstäter“ sind ihr nicht bekannt. Das gelte auch für die Situation im Raum Duderstadt, bestätigt Wolfgang Kutzborski von der Stadtverwaltung.

Beim ersten Mal bleibe es bei mahnenden Worten, im Wiederholungsfall drohe eine Anzeige, sagt auch Julia Bytom. Die Sprecherin der Stadtverwaltung Hann. Münden weist darauf hin, dass die Einhaltung der Leinenpflicht nicht gezielt, aber auch vom Ordnungsamt kontrolliert werde. In der Regel würden die Jagdpächter die Aufgabe übernehmen, auf Verstöße zu achten. In Hann. Münden habe es in der Vergangenheit auch schon abgetrennte Freilaufareale gegeben, davon habe man aber wieder abgesehen.

Polizei-, Rettungs- und Blindenhunde sind ebenso wie Hunde für die rechtmäßige Jagdausübung vom generellen Leinenzwang ausgenommen. Wildernde Hunde hingegen dürfen in Niedersachsen sogar von Jägern getötet werden, wenn der Halter sich außerhalb einer „Einwirkungsmöglichkeit“ befindet. Der Vorsitzende der Jägerschaft Göttingen, Dieter Hildebrandt, kennt nur einen einzigen Fall, in dem das geschehen ist – und der liegt bereits Jahrzehnte zurück. Schließlich seien die meisten Jäger selbst Hundehalter und würden nicht zu diesem letzten Mittel greifen. Bei unangeleinten Hunden im Wald bleibe es im Regelfall bei einer Ermahnung des Halters.

Um die Leinenzeit zu überbrücken und Hunden Bewegung zu verschaffen, rät Hundetrainerin Kleemann zum Joggen oder zum Radfahren mit dem Hund – letzteres allerdings nicht mit der Leine in der Hand, sondern mit entsprechenden Halterungen am Fahrrad. Eine weitere Option ist das Ausweichen über die Landesgrenze hinaus. Weniger restriktiv als im Flächenland Niedersachsen ist die Gesetzgebung in Thüringen und Hessen. Dort besteht kein genereller Leinenzwang in der Brut- und Setzzeit. In Duderstadt können Hunde daher schon kurz nach der stadtnahen Landesgrenze zu Thüringen von der Leine gelassen werden – in der Hoffnung, dass sie nicht über die ehemalige innerdeutsche Grenze zurücklaufen.

 

Entnommen aus dem Eichsfelder Tageblatt vom 16.03.2019. Bericht Kuno Mahnkopf.