Wann sind Kinder zu krank für Kita und Schule? Woran können sich Eltern orientieren?

Trotz der dramatisch angestiegenen Infektionszahlen mit Covid-19 in Deutschland sind andere krank machende Keime, Bakterien und Viren freilich nicht aus der Welt. Den „normalen“ Schnupfen gibt es weiterhin, auch Grippeviren, die zu unterschiedlichen Symptomen führen können. Eltern sind zuweilen verunsichert, mit welchen Krankheitsanzeichen sie ihre Kinder noch zur Schule oder in die Kita schicken können und wann nicht mehr. Gibt es diesbezüglich eine Handlungsempfehlung? Göttingens Schuldezernentin Maria Schmidt (Grüne) verweist bei dieser Frage auf einen Merkzettel des Landeskultusministeriums, der die wichtigsten Fragen beantwortet.

  • Das Kind hat einen banalen Infekt ohne deutliche Beeinträchtigung des Wohlbefindens mit Symptomen wie Schnupfen oder leichtem Husten ohne Fieber. Was ist zu tun?
    Das Kind darf in die Schule. Es ist kein negativer Virusnachweis und auch kein ärztliches Attest notwendig.
  • Was ist bei einem Infekt mit ausgeprägten Symptomen wie Husten, Halsschmerzen, erhöhter Temperatur?
    Dann sollte abgeklärt werden, ob das Kind Kontakt zu einer Person mit einer bestätigten Corona-Infektion hatte.
  • Und wenn das verneint werden kann?
    Dann darf das Kind nach 48 Stunden Symptomfreiheit in die Schule, auch ohne negativen Virusnachweis und ohne ärztliches Attest.
  • Konnte aber ein Kontakt mit einem mit Corona infizierten Menschen bestätigt werden, was dann?
    Das Kind darf nicht in die Schule. Die Anweisungen des Gesundheitsamtes müssen befolgt werden.
  • Wie geht man bei einem Infekt mit schwerer Symptomatik wie Fieber (ab 38,5 Grad), Muskel- und/oder Gliederschmerzen, anhaltend starkem Husten, Verlust des Geruchs- oder Geschmackssinns vor?
    Das Kind darf nicht in die Schule. Es ist Kontakt zu einem Arzt aufzunehmen, der dann entscheidet, ob das Kind auf Covid-19 getestet wird.
  • Was aber, wenn der Arzt einen solchen Test ablehnt?
    Dann darf das Kind nach 48 Stunden Symptomfreiheit wieder in die Schule, soweit keine anderen ärztlichen Empfehlungen vorliegen. Ein Attest ist nicht notwendig.
  • Was, wenn der Arzt einen Covid-19-Test veranlasst oder ihn selbst vornimmt?
    Das Kind darf bis zur Mitteilung des Testergebnisses nicht in die Schule.
  • Was, wenn das Testergebnis negativ ist?
    Dann darf das Kind nach 48 Stunden Symptomfreiheit wieder in die Schule, auch ohne ärztliches Attest.
  • Was, wenn das Testergebnis positiv ist?
    Das Kind darf dann selbstverständlich nicht in die Schule. Den Anweisungen des Gesundheitsamtes muss Folge geleistet werden.
  • Was ist, wenn eine Familie sich weigert, ihr Kind auf Corona testen zu lassen?
    Ein solcher Fall sei noch nicht bekannt, berichtet die Hannoversche Allgemeine Zeitung. Grundsätzlich müsse immer der Einzelfall geprüft werden. Zu berücksichtigen hätten Eltern, dass ein Test Klarheit über eine Infektion bringt und bei einer Weigerung gegebenenfalls auch ärztliche Hilfsmaßnahmen nicht im erforderlichen Umfang stattfinden können und damit die Gesundheit der Kinder wie auch die eigene Gesundheit unter Umständen gefährdet wird. Ein Test könne aber auch mit Zwang durchgesetzt werden.

Übersicht kann helfen, eine Krankheit einzuordnen

Schulen im Landkreis Göttingen nutzen den Merkzettel aktiv. Die St. Ursula-Schule in Duderstadt, eine von knapp 450 Schülern besuchte Integrierte Gesamtschule, hat den Merkzettel auf ihrer Homepage unübersehbar eingestellt. Das Göttinger Otto-Hahn-Gymnasium weist darauf auf seiner Internetseite unter dem Stichwort „Infos zu Corona“ hin. Verbunden mit dem Vermerk: „Auch wenn es natürlich kein Schema geben kann, das einen Arztbesuch vollkommen überflüssig macht, kann die Übersicht helfen, die Krankheit einzuordnen und die Frage zu beantworten, ob Ihr Kind zur Schule gehen sollte.“

Der Leiter des Göttinger Hainberg-Gymnasiums, Georg Bartelt, hat den Merkzettel über den schulinternen E-Mailverteiler an alle Schüler, Elternvertreter und Lehrer verschickt. „In unserem Sekretariat ist er als Plakat ausgehängt und unsere Sekretärin ist geschult, bei Elternanrufen gezielte Fragen zu stellen“, sagt Bartelt. Sein Rat: Im Zweifel darüber, ob eine Erkältung mehr sein könnte als ein üblicher Infekt – lieber zu Hause bleiben.

 

Entnommen aus dem Eichsfelder Tageblatt vom 26.10.2020. Bericht Ulrich Meinhard.