Darüber, wie es mit der Saison im Radball und Radpolo weitergeht, ist momentan keine Prognose möglich / Verantwortliche hoffen auf Nachholtermine

Wie in anderen Sportarten ruht auch bei den Hallenradsportdisziplinen Radball und Radpolo der Spiel- und Trainingsbetrieb. Derzeit kann keiner eine Prognose abgeben, wann die Sporthallen wieder geöffnet werden. Selbst dann ist fraglich, wann der Spielbetrieb, höchstwahrscheinlich mit veränderten Modi, für den Rest des Jahres wieder aufgenommen werden kann. Speziell beim Radball und Radpolo wird die Bundesligasaison normalerweise im ersten Halbjahr abgewickelt. Während in der zweiten Jahreshälfte im Radpolo die Qualifikation zur Deutschen Meisterschaft (Final-Six) und die nationalen Titelkämpfe im Fokus stehen, kommen im Radball die internen WM-Qualifikationsturniere (Final-Five) und die Weltmeisterschaft dazu.

So ruhen auch die Hoffnungen des Bundeskoordinators Radball/Radpolo, Patrick Meier, auf dem Herbst und Winter, wobei er den großen Events, der Deutschen Meisterschaft Mitte Oktober und der Weltmeisterschaft Ende November, die besten Chancen auf eine Durchführung einräumt. „Derzeit ist der Spielbetrieb bis zum 19. April gestoppt. Die Auswirkungen werden aber deutlich darüber hinausgehen“, sagt der Würzburger Funktionär.

Der Deutschlandpokal soll nicht aus den Augen verloren werden

Sollten die Maßnahmen rechtzeitig aufgehoben werden, hofft Meier, dass im Elitebereich die Rückrunden der 1. und 2. Bundesligen sowie die Qualifikationsturniere mit terminlichen Neustrukturierungen nachgeholt werden können. Auch das auf den 2. Mai terminierte Deutschlandpokalfinale soll nicht aus den Augen verloren werden.

Ähnlich sieht es beim Nachwuchs aus. Die Deutsche Juniorenmeisterschaft (U17 und U19) im hessischen Wetzlar am 9. und 10. Mai wurde abgesagt, soll aber, wenn es die Situation zulässt, später nachgeholt werden. In den Schülerklassen (U15 und U13) war die Deutsche Meisterschaft für Anfang Juni vorgesehen. Zwar hat man hierfür einen Monat mehr Zeit, trotzdem ist eine Durchführung der Meisterschaft nur schwer vorstellbar. „Letztlich fahren wir auf Sicht, beobachten fortlaufend die Situation und werden im Sinne der Gesundheit von Sportlern, Trainern, Kommissionären und Zuschauern Entscheidungen treffen“, sagt Meier bezüglich einer ungewissen Zukunft.

„Trainingsmäßig stehen wir in der Warteschleife.“

Franz-Josef Adler, Vereinstrainer RV Möwe Bilshausen

Auch international sind die ersten Folgen zu spüren: Die beiden für April vorgesehenen Weltcupturniere, darunter das Event im württembergischen Wendlingen am 23. April mit dem Kopp-Duo vom RV Stahlross Obernfeld, wurden bereits abgesagt. Auch hier steht eine Verschiebung allein schon aus Termingründen in den Sternen. Insgesamt waren ursprünglich acht Turniere, davon fünf mit Obernfelder Beteiligung, geplant.

„Es liegt alles auf Eis. Wir müssen abwarten, ob und wann sich die allgemeine Situation wieder entspannt“, sagt der Stahlross-Trainer Josef Kopp. Als Landesverbandstrainer ist er froh, dass zumindest in Niedersachsen die Landesmeisterschaften in den Nachwuchsklassen noch rechtzeitig durchgeführt werden konnten.

Die unterbrochene Saison kann sogar anuliert werden

Der niedersächsische Koordinator Radball/Radpolo Stefan Huter aus Goslar richtet seinen restlichen Spielbetrieb von der Oberliga bis zur Landesliga nach den Terminen des BDR aus. Erst nach dessen Entscheidung, wann und wie es weitergeht, plant Huter auf Landesebene weiter. „Im schlimmsten Fall ist es nicht ausgeschlossen, sollten gewisse Termine und andere Dinge nicht zu halten sein, dass ich die unterbrochene Saison sogar annullieren muss“, sagt Huter.

Ein ganz besonderes Jahr sollte es für den RV Möve Bilshausen werden. Gleich drei Nachwuchsmannschaften der Möven haben gute Aussichten, an den Deutschen Junioren- und Schülermeisterschaften teilzunehmen. Das Trio ist im älteren Jahrgang und hatte vor zwei Jahren die jeweiligen Titelkämpfe mitbestimmt. Die Deutschen U13-Meister 2018 Seifert/Stephan peilen in der U15-Altersklasse wieder den Sprung aufs Siegertreppchen an.

„Trainingsmäßig stehen wir in der Warteschleife. Selbst wenn es dann irgendwann weitergeht, müssen meine Spieler ihre radtechnischen Fähigkeiten erst einmal wieder in DM-Form bringen“, sagt der Bilshäuser Vereinstrainer Franz-Josef Adler. Aufgrund des allgemein schon sehr engen Terminplans sieht Adler der Möglichkeit, die Qualifikationen und die Meisterschaften nachzuholen, mit gemischten Gefühlen entgegen.

 

Entnommen aus dem Eichsfelder Tageblatt vom 03.04.2020. Bericht Berthold Kopp. Foto Schneemann.