Weißstorchbeauftragter Georg Fiedler zieht Jahresbilanz: Sprunghafter Anstieg der Population – vier Paare mehr als 2019

Zwischen Bilshausen und Westerode, Seeburg und dem Altkreis Osterode ist die Population von Weißstörchen fast schon sprunghaft gestiegen. „Ein traumhaftes Ergebnis“, kommentiert der auch für den Landkreis Göttingen zuständige Weißstorchbeauftragte Georg Fiedler die Bilanz 2020. Im vergangenen Jahr hat er zwölf Nester gezählt – in diesem sind es 16.

Ab 2015 hatte sich der Bestand bei etwa elf, dann zwölf Paaren eingependelt, sagt der 67-Jährige. Der Anstieg sei ebenso erfreulich wie bemerkenswert. „Hier wirkt sich der nachwuchsstarke Jahrgang 2017 aus, da diese Jungtiere jetzt fortpflanzungsfähig sind“, so Fiedler. Von zwei Paaren in Bereich Osterode habe ein Paar gebrütet; von 14 im Untereichsfeld habe ein Paar keinen Nachwuchs gezeugt. Insgesamt seien 41 Junge aufgezogen worden. Der Vergleich zum Vorjahreszeitraum: „2019 haben neun erfolgreiche Brutpaare 24 Junge zum Ausfliegen gebracht. Das war bis dahin der höchste Wert.“

Günstige Bedingungen sorgen für steigende Brutzahlen

Die Steigerung der Brutzahlen erklärt Fiedler mit günstigen Wachstumsbedingungen – trotz anhaltender Trockenheit. „Weißstörche gelten als Nahrungsopportunisten, weil sie bei der Wahl ihrer Beutetiere flexibel sind“, sagt Fiedler. Einerseits müssten Störche in relativ trockenen Zeiten auf Regenwürmer verzichten und „in erster Linie“ Grashüpfer ins Nest transportieren. Andererseits „sind in diesem Jahr Feldmäuse bedeutsam“, so Fiedler: „Sie sind offenbar eine Garantie für viele und kräftige Jungstörche.“ Diese Nager gebe es in größerer Zahl als üblich. „2019 war deren Population schwächer. 2018 waren sie fast überhaupt nicht vorhanden. Aber der Bestand wird auch wieder zusammenbrechen.“ Zusätzlich zu den beiden anderen Hauptnahrungsmitteln würden Störche in seichten Bächen und kleinen Flüssen nach Fischen Ausschau halten.

Außerdem, so Fiedler, sei die Wetterlage im späten Frühjahr für das Wachstum vorteilhaft gewesen: Eisheilige (Ende Mai) und Schafskälte (Anfang Juni) „haben sich kaum ausgewirkt. Sie sind dann gefährlich, wenn sie mit Niederschlägen verbunden sind. Das Zusammenwirken von Kälte, Nässe und Wind ist oft tödlich für Jungstörche, die schon zu groß sind, um noch gewärmt zu werden, und noch nicht groß genug, dass sie anhaltend stehen können.“

Die Zugroute spiele ebenfalls eine Rolle, sagt der Storchenbeauftragte. „Die Mehrzahl der Störche nimmt die westliche Route. Die meisten überwintern in Spanien. Das bedeutet, dass sie sich die gefährliche Wüstenüberquerung der Sahara ersparen, die zu hohen Verlusten führt.“ Auf der Ostroute liege die Negevwüste, das Ziel sei Ost- oder Südafrika.

Durchzügler seien schon gesichtet worden, so Fiedler. „Zum Beispiel in Bilshausen. In der kleinen Gruppe war ein Jungstorch, den ich im Kreis Helmstedt beringt hatte. Anwohner haben den Ring fotografieren können. Die Gruppe hat dort Pause gemacht.“ Bereits Anfang Juli seien bei Gieboldehausen „mehr als zehn nicht brutfähige Störche“ beobachtet worden, „die sich dort längere Zeit aufgehalten und Nahrung gesammelt haben“, die sie auf Feuchtwiesen fanden. „Ich habe selbst gesehen, wie sie Regenwürmer gesammelt haben“, sagt Fiedler. „Es kann sein, dass sie sich daran beim Rückflug erinnern. Da sie 2021 brutfähig sind, könnte es sein, dass sie im nächsten Frühjahr bei Gieboldehausen Nester bauen.“

Feuchtwiesen im Untereichsfeld bieten reichlich Nahrung

Der Grund, warum Störche sich eher im Untereichsfeld niederlassen als in anderen Landkreisgebieten, seien Feuchtwiesen im Umfeld von Rhume und Hahle, sagt Fiedler. „Weiter westlich gibt es mehr Wald“ – also weniger Regenwürmer. Das nördlichste Storchennest befinde sich in Bilshausen, das südlichste in Westerode und das westlichste in Seeburg. Südwestlich könnte der Gesamtbestand möglicherweise weiter anwachsen. In Rittmarshausen sei in den vergangenen Monaten ein Storch gesichtet worden, „der sporadisch einen Partner hatte“, so Fiedler. „Da könnte der Grundstein für nächstes Jahr gelegt worden sein.“

 

Entnommen aus dem Eichsfelder Tageblatt vom Stefan Kirchhoff. Foto Hinzmann.