Von Lederhosen und Ballkleidern

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  • Sigrid Jacobi moderiert das Erzählcafé. foto: Pförtner

Von Lederhosen und Ballkleidern

Erzählcafé: „Kleider machen Leute – Kleider erzählen Geschichten“

Ein langes, grün-kariertes Wollcape zeigt Sigrid Jacobi zum Auftakt des Erzählcafés in Bilshausen. Das Thema im Haus St. Martinus: Kleider und ihre Geschichten. So wie die des schweren Capes: „Den Stoff habe ich mir in Schottland gekauft, das Cape erinnert mich an meine Studentenzeit“, so Jacobi.

Eigene Kleidungsstücke zum Erinnern haben die vorrangig älteren Besucher nicht mitgebracht. Doch als Jacobi eine Kinderlederhose hervorzieht, fangen viele an zu reden. „Die ging nie kaputt“, sagt der 68-jährige Karl-Heinz Peter, er habe seine Lederhose aus Kinderzeiten auch noch.

„Biografisches Erzählen ist der Sinn des Erzählcafés“, sagt Jacobi. Bereits zum 34. Mal organisiert sie die Veranstaltung, jedes Mal zu einem anderen Thema. Sie wolle die Leute anregen, sich mit der eigenen Geschichte auseinanderzusetzen. „Kleider stehen oft für bestimmte Lebensabschnitte“, so ihre Meinung – wie das Cape für ihre Studentenzeit und die Lederhose für die Kindheit vieler Männer.

Dass diese bei vielen der etwa 40 Besucher schon etwas her ist, wird am Vokabular deutlich: Von „Luren“ zum Wickeln der Babys ist die Rede. „Nyltest-Hemden“ seien in den 1960er-Jahren auf Partys das „Nonplusultra“ gewesen. „Die haben so an der Haut geklebt“, sagt ein Besucher – und erhält viel Zustimmung.

Immer wieder kommt das Thema auf, dass häufiger die Kleidung gewechselt wurde. „Wenn man nach Hause kam, hat man altes Zeug angezogen“, sagt die 76-jährige Regine Engelhardt. Denn gewaschen wurde nur am Wochenende. „Man hatte die ganze Woche denselben Schlüpfer an“, so Engelhardt.

Was damals war wie heute: Für eine Party wurde sich schick gemacht. Während heute das Internet nach dem perfekten Kleid durchforstet wird, wurde damals viel selbstgenäht. So tat es auch Gertrud Althaus (81): „Ich bin Schneiderin“, erzählt sie. Für das erste Schützenfest nach dem Krieg in Bilshausen 1951 habe sie sich ein hellblaues Kleid mit Volants genäht – sie erinnert sich noch genau.

 

Entnommen aus dem Eichsfelder Tageblatt vom 30.11.2016. Bericht Hannah Scheiwe. Foto Pförtner.

2016-12-01T10:42:21+00:00 Samstag, 3. Dezember2016|0 Kommentare