Country- und Westernclub feiert 20-jähriges Bestehen mit den berühmten Hamburger Cowboys

„Wir sind die Cowboys der Nation“ – mit diesem Hit hat Truck Stop die Fans beim Country-Weekend in Bilshausen begrüßt. Es folgte eine fetzige Western-Party – mit ein paar melancholischen Frequenzen.

Schon am Freitag startete das Festival zum 20-jährigen Bestehen des Country- und Westernclubs Bilshausen (CWC). Der Braunschweiger Country-Musiker Willie gab den Auftakt, und in einem Workshop konnte Linedance auch von Einsteigern geübt werden. Am Sonnabend ist Truck Stop trotz Unwetterlage in Norddeutschland pünktlich zum Soundcheck in Bilshausen eingetroffen.

Kurz nach Einlass um 18.30 Uhr positionierten sich die Fans schon vor der Bühne. Anja und Hans-Albert aus Moringen haben einen Platz in der ersten Reihe ergattert. Ihre Kinder und ein Teil der übrigen Familie sind mitgekommen, alle in entsprechendem Western-Outfit. „Klar kennen wir alle Texte auswendig“, bestätigten die Fans, die Truck Stop schon aus Berufsgründen verehren: Beide Ehepartner sind Lkw-Fahrer.

„Ein Stückchen Ewigkeit“ mit modernen Folk-Elementen

Als die Band die Bühne betrat, ging das Gejohle los. „Wir sind heute ein bisschen aufgeregter als sonst“, gestand Gitarrist Andreas Cisek. Truck Stop hat in diesem Jahr das neue Album „Ein Stückchen Ewigkeit“ veröffentlicht, und davon sollte auch in Bilshausen einiges zu hören sein.

„Chris (Kaufmann) und Tim (Reese) bringen sich mit einer moderneren Richtung ein“, erzählte Wolfgang „Teddy“ Ibing, der als einziger Musiker noch zu den Gründungsmitgliedern von 1973 zählt. Uwe Lost ist seit 1978 dabei, Knut Bewersdorff seit 1983. Andreas Cisek schrieb seit 1990 Songtexte für Truck Stop und ist seit 2012 festes Bandmitglied. Truck Stop hat es geschafft, mit immer wieder neuen Einflüssen seit 46 Jahren die Country-Fans mitzureißen. Die alten Songs wie „Ich möcht’ so gern Dave Dudley hör’n“ konnte die Menge auf dem Festplatz textsicher mitsingen. Die neuen Songs überzeugten durch den Wechsel zwischen modernen und traditionellen Folk-Elementen, angeheizt durch die treibende Geige, kunstvolle Gitarrenriffs und tanzbare Rhythmen.

Das freute nicht nur die Linedancer, die in verschiedenen Gruppen aus dem Eichsfeld, dem Harz und Göttingen angereist sind. „Linedance macht Spaß, aber es erfordert Konzentration, weil es ja bei allen Tänzern synchron sein soll“, erklärte Petra Gatzemeier. „Aber wenn man dann in so einer Gemeinschaft wie hier in Bilshausen dabei sein kann, hat sich das Üben gelohnt“, freute sich Eva Nowak. Beide Tänzerinnen sind Mitglied in der Linedance-Gruppe Gerblingerode.

„Schon bei den Vorbereitungen hat alles super geklappt“, erzählte Detlef Engelhardt, ehemaliger zweiter Vorsitzender des CWC. „Wir sind froh, dass wir im Verein eine zweite Generation haben, die viele Aufgaben übernimmt“, erklärte er. Sein Sohn Christian ist auf den Posten des zweiten Vorsitzenden nachgerückt, und er ist nicht der Einzige, der mit dem CWC aufgewachsen ist und dem Verein treu geblieben ist. Hilfe bei den Vorbereitungen für das Country-Weekend gab es auch vom Bilshäuser Carnevals Club und der Freiwilligen Feuerwehr.

Gedenken an Cisco und Lucius

Auf die Frage, wie es eigentlich zum Kontakt zwischen dem CWC und Truck Stop kam, lachte der Vereinsvorsitzende Uwe „Atze“ Engelhardt. „Ich habe da mal angerufen“, erklärte er. Und nachdem dann die berühmteste deutsche Country-Band im vergangenen Jahr tatsächlich nach Bilshausen kam, wollte man dieses erfolgreiche Event zum 20-jährigen Bestehen des Vereins wiederholen.

„Uns gefiel es sehr gut hier in Bilshausen. Das war jetzt wie nach Hause kommen, tolle Leute, tolle Atmosphäre“, bestätigte Teddy Ibing. Die Country-Szene sei eine recht friedliche Gemeinschaft, aggressives Verhalten komme kaum vor. Gänsehaut-Feeling gab es für die Fans, als Truck Stop der beiden verstorbenen Mitglieder Burkhard „Lucius“ Reichling und Günter „Cisco“ Berndt gedachte. Der Song „Helden“ auf dem neuen Album sei Lucius und Cisco gewidmet, sagte Teddy Ibing, und bei „Ich bin Cowboy“ war Ciscos Stimme zu hören, während die Band live dazu spielte. So manch hart gesottener Cowboy in der Menge zeigte sich gerührt.

 

Entnommen aus dem Eichsfelder Tageblatt vom 17.06.2019. Bericht Claudia Nachtwey. Foto Schneemann.