Stromtrasse von der Nordsee nach Bayern soll frühestens 2026 in Betrieb gehen / Bundesnetzagentur will zunächst Einwände zum Verlauf auswerten

Der Bau der Stromtrasse Südlink, die Strom aus Offshore-Windrädern von der Nordsee nach Bayern transportieren soll, verzögert sich weiter. Die Bundesnetzagentur hat ihre Prognose, wann die Leitung fertig sein soll, erneut korrigiert und geht nun vom Jahr 2026 statt von 2025 aus. Ursprünglich sollte bereits im Jahr 2022 Strom durch die Südlink-Kabel fließen: Geplant war ein Start zeitgleich mit der Abschaltung der letzten deutschen Kernkraftwerke.

Inzwischen wären die Verantwortlichen schon froh, wenn in dem Jahr die ersten Bagger rollen. Das letzte Quartal des Jahres 2022 ist derzeit als grober Termin für den Baustart vorgesehen – das geht aus dem Fahrplan hervor, auf den sich die Bundesregierung und die Bundesländer zum Netzausbau geeinigt haben. Der Netzbetreiber Tennet rechnet nach Angaben von Sprecherin Ulrike Hörchens damit, dass es vier Jahre dauert, die rund 700 Kilometer lange Trasse von Brunsbüttel und Wilster nach Großgartach und Grafenrheinfeld fertigzustellen. „Selbst 2026 wird inzwischen eng“, heißt es bei Tennet.

Für neue Verzögerungen sorgt derzeit ein Zwischenschritt, der allerdings die Akzeptanz in der Bevölkerung erhöhen soll. Die Bundesnetzagentur, die als Genehmigungsbehörde für das Projekt fungiert, hat bei den Erörterungsterminen entlang der geplanten Trasse eine Vielzahl von Hinweisen und Vorschlägen von Behörden und Bürgern bekommen, wie die Trasse vielleicht noch besser bestimmt werden könnte.

Diese Hinweise werden derzeit analysiert. Kommt die Behörde zu dem Schluss, Tennet müsse einige davon noch einmal genauer prüfen, kann das weitere Monate in Anspruch nehmen. Dann wäre auch der Plan, Anfang des nächsten Jahres zumindest den 1000 Meter breiten Korridor festzulegen, innerhalb dessen die Leitung am Ende verlegt wird, Makulatur. Ungewöhnlich sind solche Prüfaufträge nach Bürger-Hinweisen nicht: Auch beim niedersächsisch-hessischen Projekt Wahle-Mecklar kam es dazu – und in der Folge teilweise auch noch zu kleinen Änderungen am Trassenverlauf.

Im Raum Hannover wird die Entwicklung aufmerksam verfolgt, führen doch die derzeit zur Debatte stehenden Südlink-Strecken durch die Region. Tennet selbst hatte zunächst die Ostroute favorisiert, die die Region nur in einem relativ kurzen Abschnitt zwischen Burgdorf und Uetze berührt hätte. Inzwischen setzt das Unternehmen aber auf eine Strecke westlich um die Landeshauptstadt herum. Die Bundesnetzagentur ist allerdings nicht an Tennets Wünsche gebunden.

Das Unternehmen rechnet derzeit nicht damit, dass Südlink durch die erneute Verzögerung teurer wird. „Wir gehen weiter von 10 Milliarden Euro aus“, sagt Sprecherin Hörchens. Die Folgen für das Stromnetz dürften dennoch erheblich sein: Windräder müssen öfter abgeschaltet werden, weil die Kapazitäten, den Strom abzutransportieren, fehlen. Schon jetzt verursachen solche Eingriffe gegen Schwankungen im Netz Kosten von rund 1,5 Milliarden Euro pro Jahr. Zwar gehe der Netzausbau jenseits von Südlink voran, bis 2025 stünden zusätzliche Leitungen wie Wahle-Mecklar zur Verfügung, so Hörchens. Dennoch werde der Aufwand mit Sicherheit größer, als wenn Südlink wie geplant wenigstens 2025 in Betrieb hätte gehen können.

 

Entnommen aus dem Eichsfelder Tageblatt vom 28.11.2019. Bericht Tarek Abu Ajamieh.