Unterhaltungsverband Rhume und NLWKN setzen Renaturierung des Flusses bei Bilshausen fort

Mit Totholz soll die natürliche Entwicklung der Rhume vorangetrieben werden. Im Abschnitt vor Bilshausen hat der Unterhaltungsverband Rhume mit Unterstützung des Niedersächsischen Landesbetriebes für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) 16 Baumstämme in das Flussbett eingebaut.

„Wir verringern mit den Baumstämmen den Fließquerschnitt des Flusses“, erläutert Torsten Knoblauch, zuständig für Planung und Bau wasserwirtschaftlicher Anlagen und Gewässer im Geschäftsbereich II des NLWKN. Durch die Maßnahme stehe für die gleiche Menge Wasser ein geringerer Korridor zur Verfügung, wodurch sich am Durchlass die Geschwindigkeit erhöhe. „Am Holz können sich viele Lebensräume entwickeln“, so der Gewässerfachmann.

Hilfe an acht Stellen

Rund 10 000 Euro investiert der Unterhaltungsverband Rhume im Rahmen seiner Unterhaltungsmaßnahmen in das Vorhaben zur Renaturierung, wie Geschäftsführerin Claudia Kumm verrät. 16 Baumstämme sollen in dem an der Stelle acht bis zehn Meter breiten Fluss für den gewünschten Erfolg sorgen. An acht Stellen werden jeweils zwei Stämme eingesetzt. Ein Team des Duderstädter Unternehmens Ingo Ahlborn Baggerarbeiten ist mit zwei Baggern vor Ort. Ein Schaufelbagger hebt am Ufer zunächst ein Bett für die Stämme aus. Denn die werden zur Hälfte fest eingegraben, damit sie an der gewünschten Position bleiben. Mit einem Greifarm positioniert dann der zweite Bagger die Stämme in der ausgehobenen Grube. Leicht übereinanderliegend ragen sie nun knapp unter der Wasseroberfläche über etwa drei viertel der Flussbreite leicht schräg in Richtung des gegenüberliegenden Ufers.

„Wir initiieren damit die natürliche Entwicklung des Flusses“, erklärt Kumm. In den vergangenen Jahren habe man die Lehre gezogen, dass man zunächst etwas bauen müsse, wenn man eine naturnahe Gewässerentwicklung erreichen möchte, ergänzt Knoblauch. Später müsse man dann eventuell nachsteuern. „Man kann nicht berechnen, wie sich der Fluss genau entwickeln wird“, sagt er. Das hänge von vielen verschiedenen Faktoren wie der Strömung, dem Untergrund und dem Bewuchs ab. Um dem Fluss die Möglichkeit zur Entwicklung zu geben, habe das Land Niedersachsen seit den 1980er-Jahren Flächen am Ufer gekauft. Diese würden komplett der Natur zurückgegeben und nicht bewirtschaftet. Lediglich zur extensiven Beweidung durch Rinder seien einige Wiesen offengelassen worden.

Doppelte Geschwindigkeit

Der Bereich der Maßnahme liege noch im Rückstaubereich der Mühle in Bilshausen, erläutert Knoblauch. Bei Niedrigwasser sei von einer Fließgeschwindigkeit von weniger als einem Meter pro Sekunde auszugehen. Durch das Einsetzen der Baumstämme werde die Geschwindigkeit ungefähr verdoppelt. „Die Fließgeschwindigkeit ist dabei aber auch von Faktoren wie zum Beispiel der Krümmung und Neigung der Böschung abhängig“, so Knoblauch. Wichtiger als die Zahlen sei, dass das Wasser an einigen Stellen langsamer, an anderen schneller fließe, damit alle Lebensräume vorhanden seien.

Der Mensch habe in der Kulturlandschaft viel verändert, erklärt der Gewässerplaner. Mit den Maßnahmen solle die Rhume wieder eigene Möglichkeiten bekommen. Im Zuge der ersten Renaturierungsmaßnahmen vor einigen Jahren seien bereits rund 15 solcher Stammbarrieren eingegraben worden. „Der Erfolg ist zu sehen“, sagt Knoblauch und zeigt auf Stellen, wo deutlich erkennbar Veränderungen zu sehen sind.

 

Entnommen aus dem Eichsfelder Tageblatt vom 04.11.2020. Bericht und Foto Rüdiger Franke.