Familien Schalcher und Bringmann engagieren sich ehrenamtlich in der Freiwilligen Feuerwehr

Zwei Namen, eine Familie und alle sieben sind Atemschutzträger bei der Feuerwehr in Bilshausen: Die Namen Schalcher und Bringmann sind nicht nur im Eichsfeld bekannt, engagieren sich allesamt ehrenamtlich und sind nicht nur aufgrund ihres Hobbys einzigartig.

Es ist kurz vor 16 Uhr im Feuerstützpunkt in Bilshausen. Vater Sven mit seinen Söhnen Jonas, Lukas und Elias Bringmann sowie Schwager Thorsten mit dessen Kindern Leander und Lara Schalcher sitzen im Gerätehaus. Alle haben ein gemeinsames Hobby, die Feuerwehr. Und nicht nur das. Alle sieben sind Atemschutzgeräteträger (AGT) – sicherlich nicht nur in der Region einzigartig.

„Es gibt zwar in den Feuerwehren immer wieder viele Mitglieder aus einer Familie. Dass aber auch alle noch Atemschutzgeräteträger sind, kommt ganz selten vor“, betont Karla Müller, stellvertretende Ortsbrandmeisterin in Bilshausen. Etwa 60 aktive Mitglieder habe die ortsansässige Feuerwehr. Nachwuchsprobleme, über die viele Freiwillige Feuerwehren klagen, haben die Bilshäuser aktuell nicht. „Unser größtes Problem ist, dass viele Mitglieder tagsüber nicht immer vor Ort sind“, so Müller. Zwei Fahrzeuge stehen in dem schicken Feuerwehrhaus an der Bergstraße, das 2019 erst erbaut wurde. Philipp Müller ist Jugendwart und berichtet von etwa 16 aktiven Jugendlichen, die sich einmal wöchentlich zum Übungsabend treffen. „Wir versuchen über die sozialen Medien schon ordentlich Werbung zu machen. Dort stellen wir Berichte ein – wir machen aber auch viel, was nicht nur mit der Feuerwehr zu tun hat“, sagt Philipp Müller. Daher könne man immer noch ausreichend Kinder und Jugendliche begeistern. Die Familienmitglieder berichten über ihre Anfänge, die Familie und die Bedeutung der Feuerwehr in ihrem Leben.

Sven Bringmann (54): „Ich bin seit 1978 in der Feuerwehr und arbeite ansonsten im eigenen Holzbauunternehmen. Den AGT-Lehrgang habe ich 1983 absolviert. Es ging einfach nicht anders, dass ich auch bei der Feuerwehr lande. Meine ganze Verwandtschaft war aktiv und mein Opa war Mitbegründer in Bilshausen. Somit war auch der Weg meiner drei Söhne vorgezeichnet. Allerdings sind auch viele Freunde, die in meinem Alter sind, in der Feuerwehr aktiv. Wir sind hier schon eine Hochburg mit Atemschutzgeräten. Derzeit sind es 26 Aktive. Die werden besonders bei Großeinsätzen gesucht, da man spätestens nach gut 20 Minuten eine Pause benötigt.“

Lukas Bringmann (25): „Unter der Maske ist es entsprechend heiß und man schwitzt ordentlich. Da braucht man schon viel Pausen. In der Feuerwehr bin ich seit dem 18. Lebensjahr und habe mich besonders immer auf die Wettkämpfe gefreut. Mein allererster Einsatz war mit 16, als ich noch gar nicht in der Feuerwehr war. Da ist ein Auto in den Strohkrug gerast und ich habe zusammen mit einem Kumpel direkt Erste Hilfe geleistet.“

Jonas Bringmann (26): „Ich bin seit 16 Jahren in der Feuerwehr und habe meine AGT-Prüfung mit 18 Jahren gemacht. Zudem bin ich in Bilshausen Getränkewart. Ein besonderes Highlight waren immer die Sommerzeltlager in Potzwenden, wo ich viele Jahre als Betreuer dabei war. Wir haben dort einige Titel eingefahren.“

Elias Bringmann (22): „Seitdem ich denken kann, begeistere ich mich für die Feuerwehr. Meine Freunde finden es klasse, dass ich mich ehrenamtlich engagiere und vor allem Leuten helfe. Ich leite die Dienstagsgruppe in Bilshausen und bin stellvertretender Jugendfeuerwehrwart.“

Lara Schalcher (21): „ Ich bin 21 Jahre und habe meine AGT-Ausbildung im vergangenen Jahr absolviert. Ich hatte besonderen Ansporn, weil es mir viele, auch aus meiner Familie nicht zugetraut haben. Ich wollte es allen zeigen. In Bilshausen bin ich die einzige aktive AGT. Ich habe zu allen ein großes Vertrauen und kann mich auf die anderen verlassen.“

Leander Schalcher (18): „Ich bin 18 Jahre, der Jüngste und habe die AGT-Prüfung erst im vergangenen November absolviert. Auch wenn ich noch andere Hobbys habe, liegt meine Priorität auf der Feuerwehr. Es stärkt die Gemeinschaft und man tut etwas für seinen Heimatort. Insgesamt habe ich schon etwa zehn Einsätze mitgemacht.“

Thomas Schalcher (51): „Ich bin Vize-Europameister bei den Feuerwehrwettkämpfen in Mönchengladbach geworden. In die Feuerwehr bin ich jedoch erst mit 30 Jahren eingetreten. Mein Schwager hat mich dazu gezwungen. Den AGT-Lehrgang habe ich seit 2000.“

 

Atemschutzgeräteausbildung – so funktioniert es

Eine Teilausbildung bei der Feuerwehr ist die Befähigung zum AGT: Die Familien Bringmann und Schalcher haben die Ausbildung, die an zwei kompletten Wochenende stattfindet, absolviert. „Vorher müssen alle jedoch zur G 26-Untersuchung“, so die stellvertretende Ortsbrandmeisterin Karla Müller. Dort werden die Feuerwehrleute getestet, ob sie für den Ernstfall gesundheitlich in der Lage sind, die schweren Atemschutzgeräte zu tragen. Immerhin wiegt so eine Ausrüstung gut 25 Kilogramm. Mindestalter für die AGT-Ausbildung ist 18 Jahre.

 

 

Entnommen aus dem Eichsfelder Tageblatt vom 04.01.2020. Bericht Jan-Philipp Brömsen. Foto Richter.