Hygienekonzepte, Unterrichtsmodelle, Besonderheiten – Zum Schulstart am Donnerstag gibt es einiges zu beachten

Die Schule geht wieder los – erstmals nach dem Lockdown im Regelbetrieb. Wie genau das nach den Plänen des Kultusministeriums aussieht und was es dabei für Schüler, Eltern und Lehrer zu beachten gibt: die Antworten auf die wichtigsten Fragen im Überblick.

▶ Wie startet der Unterricht nach den Ferien?

Das neue Schuljahr soll im eingeschränkten Regelbetrieb starten, wie Niedersachsens Kultusminister Grant Hendrik Tonne mitteilte. Dies bedeute: weitgehend normaler Präsenzunterricht, jedoch einige coronabedingte Sonderregelungen. Voraussetzung sei, dass die Infektionszahlen vergleichsweise niedrig bleiben.

▶ Was passiert, wenn die Fallzahlen wieder steigen?

Für den Fall, dass die Infektionszahlen steigen, hat das Kultusministerium zwei Szenarien ausgearbeitet. Demnach kann bei regional steigenden Fallzahlen in Abstimmung mit dem örtlichen Gesundheitsamt auf ein Wechselmodell (Szenario B) umgestellt werden, das Präsenzunterricht und das Lernen zu Hause kombiniert. In Szenario C würden lokale oder landesweite Schulschließungen oder Quarantäneregelungen notwendig. Neben der Schließung ganzer Schulen können dabei auch einzelne Jahrgänge oder Klassen unter Quarantäne gestellt werden.

▶ Gilt an Schulen die Maskenpflicht?

Außerhalb der Unterrichtsräume ist überall dort, wo ein Mindestabstand von 1,5 Metern nicht eingehalten werden kann, das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung nach Angaben des Kultusministeriums verpflichtend. Dies können etwa Flure, Versammlungsräume oder auch das Außengelände sein. In der Regel sind diese Bereiche als solche gekennzeichnet.

▶ Wie steht es um Abstandsregeln?

Das Abstandsgebot wird nach Angaben des Kultusministeriums in Unterrichtsräumen aufgehoben. Dies sei notwendig, um den eingeschränkten Regelbetrieb zu gewährleisten. Statt dessen sollen Schüler in festen Lerngruppen unterrichtet werden. Indem möglichst immer die gleichen Schüler zusammen lernen, ließen sich im Infektionsfall Kontakte und Infektionswege wirksam nachverfolgen.

▶ Findet eine Ganztagsbetreuung statt?

Ja, der Regelbetrieb schließt nach Angaben des Kultusministeriums auch die Ganztagsbetreuung ein. Im Leitfaden „Schule in Corona-Zeiten 2.0“ heißt es allerdings: „Abhängig von den zur Verfügung stehenden Ressourcen steht das Ganztagsangebot in den Schulen ggf. nur eingeschränkt bzw. in veränderter Form zur Verfügung.” Hintergrund ist, dass auch im Ganztagsbetrieb die Anzahl der Kontakte unter den Schülern so gering wie möglich gehalten werden soll. Zudem habe der Pflichtunterricht beim Personaleinsatz Priorität.

▶ Dürfen Kinder mit Schnupfen in die Schule?

Ob Kinder, Jugendliche oder Erwachsene: Menschen, die Fieber haben oder eindeutig krank sind, dürfen unabhängig von der Ursache nicht die Schule besuchen. Das Kultusministerium stellt allerdings klar, dass „bei einem banalen Infekt ohne deutliche Beeinträchtigung des Wohlbefindens (z.B. nur Schnupfen, leichter Husten) die Schule besucht werden kann”. Dies gelte auch bei Erkrankungen wie Heuschnupfen oder Pollenallergie.

▶ Finden Einschulungsfeiern für Erstklässler statt?

Ja, Einschulungsfeiern sollen stattfinden. Was es dabei zu beachten gibt, legt der sogenannte „Rahmen-Hygieneplan Corona Schule” fest. Die wichtigsten Regeln sind demnach das Abstandsgebot, die Maskenpflicht, Händewaschen, Kontaktbeschränkungen und das Beachten der Hust- und Niesetikette. Die Schulen müssen diese Regeln bei der Planung ihrer Feiern umsetzen.

▶ Wird der versäumte Stoff im neuen Schuljahr nachgeholt?

Defizite bei grundlegenden Kompetenzen sollen nach dem Leitfaden „Schule in Corona-Zeiten 2.0” im Regelbetrieb nachgeholt werden. Die Verantwortung hierfür liege bei den Schulen.

▶ Finden Chorproben statt?

Da die Lerngruppen möglichst unter sich bleiben sollen, gibt der Leitfaden “Schule in Corona-Zeiten 2.0” vor, auf klassenübergreifenden Projekte oder Arbeitsgemeinschaften zu verzichten. Dazu kommt, dass Chorproben ohnehin nicht in Räumen stattfinden dürfen, “solange kein praktikables Hygienekonzept vorliegt, das den Infektionsschutz gewährleistet”, wie es im “Niedersächsischen Rahmen-Hygieneplan Corona Schule” heißt. Anders sieht es mit dem Gesang unter freiem Himmel aus: Wird der Abstand von zwei Metern gewahrt, ist dort das Singen erlaubt.

▶ Wird es wieder Sportunterricht geben?

Ja. Auch aktuell ist Sportunterricht erlaubt, solange dabei Abstandsregeln eingehalten werden. Das Kultusministerium strebt darüber hinaus weitere Lockerungen an: So soll der Rahmenhygieneplan angepasst werden, so dass “nach den Sommerferien der Sportunterricht im Klassen- oder Kursverband ohne generelles Abstandsgebot durchgeführt werden kann.”

▶ Welches Hygienekonzept gibt es für Schulbusse?

In Bussen gilt generell die Maskenpflicht. Die Göttinger Stadtverwaltung empfiehlt sogar, auf dem Schulweg eine Mund-Nasen-Bedeckung zu tragen. Spätestens an der Bushaltestelle sei diese verpflichtend. Während der Stoßzeiten werden teils zusätzliche Busse eingesetzt. Der Abstand zwischen den Fahrgästen soll nach Angaben der Verwaltung “wenn möglich” eingehalten werden. Jedoch sei davon auszugehen, dass die Abstände in voll besetzten Bussen nicht immer eingehalten werden können.

▶ Welche Regeln gelten für Schüler aus Risikogruppen?

Schüler, zu einer sogenannten Risikogruppe gehören, können auf eigenen Wunsch auch weiterhin ihre schulische Aufgaben von zu Hause aus wahrnehmen, heißt es im Leitfaden „Schule in Corona-Zeiten 2.0”. Zur Risikogruppe zählt, wer unter Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems, der Lunge, chronischen Lebererkrankungen oder Diabetes mellitus leidet, oder dessen Immunsystem geschwächt ist – etwa wegen einer Krebserkrankung oder durch Einnahme von Medikamenten. Die betroffenen Schüler sollen mit Unterrichtsmaterial, Aufgaben, Lernplänen und Feedback versorgt werden und regelmäßige Beratung und Unterstützung der Lehrkräfte erhalten.

▶ Können sich Lehrer, die zu einer Risikogruppe gehören, vom Präsenzunterricht befreien lassen?

Ja, Lehrkräfte können mit einem entsprechenden Attest von zu Hause aus arbeiten. Zurück in den Unterricht müssen dagegen diejenigen, die ihren Haushalt mit jemandem teilen, der zu einer Risikogruppe gehört. Auch Lehrkräfte über 60 Jahre können wieder im Präsenzunterricht eingesetzt werden. Gleiches gilt für schwerbehinderte Beschäftigte, die nicht zu einer der Risikogruppen zählen.

▶ Wie steht es um Schwangere?

Schwangere können nach Angaben des Kultusministeriums im Präsenzunterricht eingesetzt werden, wenn keine erhöhte Infektionsgefahr vorliegt. Die Entscheidung treffe die Schulleitung auf der Grundlage der Gefährdungsbeurteilung nach dem Mutterschutzgesetz.

 

Entnommen aus dem Eichsfelder Tageblatt vom 26.08.2020 Bericht Verena Schulz.