Ohne Rücksicht auf Verluste

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  • „Massakrierte“ Heckefoto: r

Ohne Rücksicht auf Verluste

Klagen über ruinöse Rückschnitte von Bäumen und Hecken häufen sich / Naturschutzbeauftragter schlägt Alarm

Beschwerden über „massakrierte“ Hecken und Bäume im Eichsfeld haben sich in diesem Winter gehäuft. Bis Ende Februar durften Bäume, Sträucher und Hecken in der Landschaft zurückgeschnitten werden.

„Es wird von Jahr zu Jahr schlimmer“, sagt Franz-Josef Lange nach einem weiteren unsachgemäßen Heckenschnitt, den er entdeckt hat. Bei einer Gehölzschau im Bereich Gieboldehausen / Bilshausen hat der Naturschutz-Regionalbeauftragte eine „dauerhaft ruinierte Hecke“ gesehen und dokumentiert, die allenfalls noch durch einen glatten Rückschnitt auf den Stock halbwegs gerettet werden könne. Lange hat den Landkreis Göttingen eingeschaltet, um den Gehölzfrevel ahnden zu lassen.

Beschwerden über Rückschnitte kommen auch aus Obernfeld, Seeburg und weiteren Orten. Der Seeburger Ludwig Pape weist auf zerfledderte Apfelbäume am Feldweg in Richtung Wollbrandshausen und geschädigte Obstbäume zwischen Seeburg und Seulingen hin – darunter auch gemeindeeigene Bäume. „Einige Bäume sind dauerhaft geschädigt oder dem Tod geweiht“, meint Pape: „Das kann und darf nicht sein.“ Auch im Bauausschuss der Gemeinde Seulingen wurde auf das Thema hingewiesen.

Verantwortlich für Rückschnitte sind viele Beteiligte: Realverbände und -gemeinden, Straßenmeistereien, politische Gemeinden und Landwirte, die die Sache selbst in die Hand nehmen. Lange beklagt, dass zunehmend wieder sogenannte Böschungsmulcher für die Rückschnitte eingesetzt würden – obwohl das eigentlich untersagt sei und Astscheren zu verwenden seien. „Auch das Kappen von Bäumen ist absolut out“, sagt Lange und vermisst „Empathie gegenüber der Natur“. Gehölze in der Feldflur seien ein wesentliches Element der schützenswerten Kulturlandschaft im Eichsfeld.

Es gebe auch viele positive Beispiele, meint Lange. Der unsachgemäße Umgang mit Bäumen und Hecken sei aber leider kein Einzelfall und komme in fast allen Gemeinden vor. Er habe viel Verständnis für die Landwirte, einige würden aber durch ihr Verhalten immer wieder zum negativen Image der Branche beitragen, meint der Rüdershäuser.

Eine Zunahme von Gehölzrückschnitten – über einen längeren Zeitraum betrachtet – kann der als Naturschutzbehörde zuständige Landkreis Göttingen nicht bestätigen. Immer wieder komme es auch zu unsachgemäßen Rückschnitten, häufig verbunden mit der Forderung eines fachgerechten Nachschnitts, sagt Landkreis-Sprecher Ulrich Lottmann. Mitunter werde auch die Wiederherstellung von Gehölzen verfügt, gegebenenfalls ein Bußgeldverfahren eingeleitet. Die Größe eingesetzter Maschinen sei weniger ein Problem als deren Handhabung und Geschwindigkeit.

 

Entnommen aus dem Eichsfelder Tageblatt vom 02.03.2016. Bericht Kuno Mahnkopf. Foto R.

2017-03-02T07:52:21+00:00 Sonntag, 5. März 2017|