Unterstützung für Kinder mit Entwicklungsauffälligkeiten und ihre Familien

Entwicklungsauffälligkeiten von Kindern sehr früh erkennen und für Eltern den Zugang zu Beratung und Behandlung so einfach wie möglich gestalten – das ist Ziel des Modellprojekts „Inklusive Frühförderung“. Der Landkreis Göttingen kooperiert dazu mit den Heilpädagogischen Einrichtungen der Lebenshilfe Herzberg gGmbH und der Hochschule Nordhausen. Konkret wird von der Lebenshilfe in Herzberg eine zentrale ‚Lehrfrühförderstelle‘ eingerichtet, die Beratung, Vermittlung von Förderangeboten und Vernetzung der beteiligten Partner bündelt. Nach einjähriger Vorbereitungszeit ist das Modellprojekt nun gestartet.

„Unser Ziel ist eine interdisziplinäre, präventive, familienorientierte Frühförderung“, erklärt Kreisrat Marcel Riethig, Sozialdezernent des Landkreises Göttingen. „Wir wollen Familien entlasten und Kindern die Chance geben, ihre Stärken und Fähigkeiten zu entfalten. Die inklusive Frühförderung in Herzberg biete nun eine Anlaufstelle für alle Familien, die sich Sorgen um ihr Kind machten oder Fragen zu dessen Entwicklung hätten. Das Angebot gelte für Kinder vom Säuglingsalter bis zur Einschulung; es stehe Eltern bereits dann zur Verfügung, wenn sie Entwicklungsprobleme vermuteten und Beratungsbedarf zu einer entwicklungsfördernden Erziehung hätten.

Drei wesentliche Aspekte kennzeichnen das Modellprojekt. Erstens steht ein interdisziplinäres Team bereit, für diese Kinder individuelle Angebote zu entwickeln und sie dabei zu unterstützen, ihre Stärken und Fähigkeiten zu entfalten. Es werden auch externe Fachpersonen mit einbezogen, insbesondere Ärzte und Therapeuten, aber auch Anbieter der Jugendhilfe. Zweitens setzt es auf frühzeitige Erkennung und präventive Hilfe; entsprechend werden auch niedrigschwellige Beratungsangebote in den Prozess eingebunden. Drittens wird die Familie mit in den Blick genommen und bei den Hilfeleistungen berücksichtigt, sowohl hinsichtlich der Wechselwirkungen für das Kind als auch der Belastungssituation für die Familie selbst.

„Wir stellen fest, dass in Deutschland Milliarden dafür ausgegeben werden soziale Fehlentwicklungen zu reparieren, aber nur ein Bruchteil wird ausgegeben, um diese Fehlentwicklungen zu vermeiden“, legt Kreisrat Riethig dar und erläutert, dass bundesweit nur ca. 1,5% -2,5% der Kinder Frühförderung erhalten würden. „Das Modellprojekt unterstützt die sozialraumorientierte Umgestaltung der Sozialpolitik des Landkreis Göttingen. Zugleich ist es die Reaktion auf stetig wachsende Fallzahlen und damit steigende Kosten aller Rehabilitationsträger im Zusammenhang mit gesellschaftlichen Veränderungsprozessen“, führt Riethig aus. Sie sollen durch eine netzwerkorientierte und präventive Frühförderung reduziert werden.

Konzipiert hat das Modellprojekt Prof. Armin Sohns von der Hochschule Nordhausen. Prof. Sohns ist Studiengangbeauftragter des Masterstudienganges Transdisziplinäre Frühförderung und zudem Sprecher im wissenschaftlichen Beirat der Bundesarbeitsgemeinschaft Gesundheit & Frühe Hilfen.

Die Frühförderstelle der Lebenshilfe in Herzberg am Harz bietet bereits seit 1980 für Familien mit Kindern im Alter von der Geburt bis zur Einschulung Beratung und Förderung bei einer Behinderung oder, wenn sie von Behinderung bedroht sind.

Der Kreistag hat im Januar 2020 mit einem einstimmigen Beschluss das Modellprojekt und eine finanzielle Beteiligung beschlossen. Anschließend wurden in der Kreisverwaltung, bei der Hochschule Nordhausen und bei der Lebenshilfe Herzberg die Voraussetzungen für die Umsetzung geschaffen. Die wissenschaftliche Begleitung des Projektes erfolgt durch die Medical School Hamburg und wird durch die Auridis Stiftung gefördert.

 

Quelle: Pressemitteilung des Landkreises Göttingen