Mobilität ist Hauptproblem in den Dörfern

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  • Mitfahrprojekte sind eine Möglichkeit der Nachbarschaftshilfe. Foto: JV

Mobilität ist Hauptproblem in den Dörfern

Nachbarschaftshilfen vermitteln ehrenamtliche Helfer – auch Fahrdienste

Ein engmaschiges Netzwerk von Nachbarschaftshilfen ist in den vergangenen Jahren im Landkreis Göttingen entstanden. Sie sollen den gesellschaftlichen Wandel abfedern, der im ländlichen Raum zu demografischer Erosion, Überalterung und Wegbrechen von Infrastruktur führt.

„Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt“, dichtete Schiller. Der Kerngedanke der Nachbarschaftshilfe zielt in die Gegenrichtung, auf Hilfsbereitschaft, Achtsamkeit und Daseinsfürsorge. Wikipedia definiert Nachbarschaftshilfe als „ein gewohnheitsmäßiges und wenig formalisiertes Instrument sozialer Gemeinschaften zur Bewältigung von individuellen und gemeinschaftlichen Bedürfnissen, Notlagen und Krisen“. Was früher noch mehr oder weniger durch direkten Kontakt in intakten Dorfgemeinschaften und unter einem Dach lebenden Generationen funktionierte, bedarf inzwischen der Anschubs- und Vermittlungshilfen. Die Nachbarschaftshilfen sollen Menschen zusammenführen, die kurzfristig Hilfe benötigen oder sich nützlich machen wollen.

„Nachbarschaftshilfen bieten kleine Hilfestellungen im Haushalt, beim Einkaufen, im Garten, bei Arzt- und anderen Besuchen ehrenamtlich an“, sagt Andrea Riedel-Elsner vom Landkreis Göttingen. Die Unterstützung solle sich klar von professionellen Anbietern abgrenzen, sei auf punktuelle und akute Unterstützung ausgelegt. Mit Aufbauförderung des Landkreises sind seit 2005 mehrere ehrenamtliche Nachbarschaftshilfen auf Gemeindeebene entstanden, zumeist in direkter Anbindung an die Kommunen. Nach der Vermittlung werden die Hilfeleistungen oftmals zu Selbstläufern.

„Wir haben vor allem eingespielte Teams, aber immer wieder auch neue Anfragen und Hilfswillige“, sagt Elisbeth Bruns, die die Nachbarschaftshilfe in der Samtgemeinde Gieboldehausen koordiniert. Sie weiß von rund 45 Menschen, die regelmäßig Angebote in Anspruch nehmen, und von 30 ständigen Helfern, auch Schüler der Kooperativen Gesamtschule unterstützen das Projekt. Darüber hinaus gebe es inzwischen zahlreiche Direktkontakte. Hauptproblem in den Dörfern sei die Mobilität: „Fahrdienste werden am meisten nachgefragt, in erster Linie zum Arzt, ansonsten zum Einkaufen.“ In der Stadt Duderstadt obliegt die Nachbarschaftshilfe dem Verein Nächstenliebe und der Caritas, in Rosdorf einem eigenständigen Verein.

„Um ein funktionsfähiges Netzwerk aufbauen zu können, war es unabdingbar, ortskundige Ansprechpartner aus dem Bereich der Seniorenarbeit, aus der Verwaltung, und andere Kräfte für eine Mitarbeit zu gewinnen“, sagt Riedel-Elsner. Von Anfang an hätten die ehrenamtlichen Nachbarschaftshilfen im Landkreis eine wichtige Multiplikatorenfunktion eingenommen. Wenn kleinere Hilfestellungen nicht mehr ausreichen, würden Hilfesuchende auch an professionelle Dienste oder Institutionen wie den Senioren- und Pflegestützpunkt verwiesen. Deren Mitarbeiter treffen sich regelmäßig zum Austausch mit Vertretern der Nachbarschaftshilfen, ebenso die Helfer der örtlichen Plattformen untereinander.

Zu weiteren Bausteinen der Daseinsfürsorge in der Fläche gehören Projekte wie die Dorfhelfer-Initiative der Caritas, Senioren-Mitfahrbänke, Gebrauchtkaufhäuser wie der Fairkauf-Laden in Duderstadt, Mittagstische und Tafeln. So konnte die Osteroder Tafel dank ehrenamtlicher Helfer inzwischen Ausgabestellen in Osterode, Bad Grund, Bad Lauterberg, Duderstadt, Gieboldehausen, Hattorf und Herzberg einrichten, die Tafel Hann. Münden hat im vergangenen Jahr rund 600 Menschen mit mehr als 7500 Lebensmitteltüten versorgt.

 

Entnommen aus dem Eichsfelder Tageblatt vom 15.09.2019. Bericht Kuno Mahnkopf. Foto JV.

Dienstag, 18. September 2018|