Südharzer Zechsteingürtel soll Großschutzgebiet werden / Gipsabbau wird kritisch gesehen

Der Fachbereich Bauen des Landkreises Göttingen hat sich in seiner Stellungnahme zum Landes-Raumordnungsplan (LROP) unter anderem zu Großschutzgebieten positioniert. In einer Stellungnahme heißt es, dass neue Festlegungen zur Entwicklung von Großschutzgebieten getroffen werden sollen. Als Beispiel wird das Großschutzgebiet Biosphärenreservat Drömling angeführt.

Aus Sicht des Landkreises Göttingen ist in diesem Zusammenhang darauf hinzuweisen, dass die Wegbereitung beziehungsweise Festlegung für ein Großschutzgebiet im Südharzer Zechsteingürtel in Vorbereitung ist, erste Planungen für ein entsprechendes Großschutzgebiet sind aufgenommen worden.

Das Grüne Band sollte auf Landesebene als herausragendes Gebiet aufgrund seiner Seltenheit, Eigenart oder Schönheit und seiner wissenschaftlichen, naturgeschichtlichen, kulturhistorischen und landeskundlichen Besonderheit geschützt werden. Der Landkreis Göttingen begrüßt es, wenn das Land Niedersachsen, in Anlehnung an das Land Thüringen, das Grüne Band als nationales Naturmonument ausweisen würde.

In der zeichnerischen Darstellung zum rechtskräftigen LROP des Landes Niedersachsen mit Stand 2017 sind im Gebiet des Landkreises Göttingen zwei Vorranggebiete für Rohstoffgewinnung von landesweiter Bedeutung dargestellt: Basalt Backenberg /westlich Güntersen und Basalt Grefenburg /westlich Barterode. Es handelt sich bei beiden Standorten um historische Basaltabbaustätten, deren Ausbeutung bereits vor Jahrzehnten beendet wurde.

Die Standorte sind teilweise rekultiviert und haben sich zu wertvollen Biotopen mit Vorkommen einer Vielzahl seltener und geschützter Arten entwickelt. Streng geschützte Arten konnten nachgewiesen werden. Weitere, nicht rekultivierte Bereiche bestehen aus Wald, Gebüsch und kleineren Wasserflächen mit hohem Wert für den Naturschutz.

Die Standorte haben daher nicht nur eine herausragende Bedeutung als Biotop, sondern es kommt ihnen auch eine hervorgehobene Rolle im Hinblick auf die Biotopvernetzung im westlichen Kreisgebiet zu; als sogenannte „Trittsteine“ haben sie besonders hinsichtlich des Artenschutzes eine überregionale Bedeutung. Die vorrangige Funktion der Rohstoffgewinnung ist daher in diesen beiden Bereichen zurückzunehmen.

Die Gewinnung von Gips in den festgelegten Vorranggebieten für Rohstoffgewinnung im Landkreis Göttingen hat mindestens nationale, wenn nicht internationale Bedeutung. Diese Flächen sollen „kleinflächig erweitert oder neu festgelegt werden“.

Es wird explizit darauf hingewiesen, dass der Landkreis Göttingen in Südniedersachsen mit seinen zahlreichen Vorranggebieten für den Gipsabbau (und vier derzeitigen Vorranggebieten für Dolomit) eine besondere Aufgabenstellung im Bereich der Rohstoffsicherung und -gewinnung einnimmt, die aber zu erheblichen Raum- und Umweltbelastungen führen kann. Selbst sehr kleinflächige Erweiterungen können zu Konflikten mit angrenzenden hochwertigen Naturschutzbelangen führen und mit entsprechenden Zielsetzungen kollidieren.

Auch in allen laufenden Gipsabbaustätten werden für den Naturschutz hochwertige Bereiche unwiederbringlich zerstört. Insofern steht der Landkreis Göttingen jedem zusätzlichen – auch noch so kleinflächigen – neuen Gipsabbau, kritisch gegenüber. Aufgrund der weit überregionalen Bedeutung des Gipsabbaus erwartet der Landkreis Göttingen, dass das Land Niedersachsen gegebenenfalls auf der Basis einer Bodenabbauleitplanung, im besten Fall in Kooperation mit dem Land Thüringen, die Festlegung der Vorranggebiete für die Rohstoffgewinnung (Gips) mit einer Planungskonzeption untermauert.

Da eine solche Konzeption nur sinnvoll in länderübergreifender Abstimmung mit Thüringen ist, sieht sich der Landkreis Göttingen nicht in der Lage und auch nicht autorisiert, die Festlegung der LROP-Vorranggebiete mit Ausschlusswirkung im Rahmen seiner Neuaufstellung des RROP konzeptionell zu begründen.

Hingewiesen wird zudem auf Schutz und Sicherung der einzigartigen Karstlandschaft im Südharz. Hier sollten keinerlei Veränderungen vorgenommen werden.

 

Entnommen aus dem Eichsfelder Tageblatt vom 23.01.2020. Bericht lrich Meinhard. Foto epd.