Warteliste zum neuen Kita-Jahr / Eine Gruppe soll im Bilshäuser Pfarrhaus unterkommen

Der Bedarf an Kindergartenplätzen beträgt zum 1. August 115 Prozent. Das bedeutet, dass in der katholischen Kita St. Bernardus in Bilshausen nicht für alle Kinder ein Betreuungsplatz zur Verfügung steht. Das geht aus der Kindergartenbedarfsplanung 2020 hervor, die während der jüngsten Sitzung des Gemeinderates vorgelegt wurde. Daher soll im Pfarrhaus Platz für eine Gruppe geschaffen werden. Das Gremium hat dafür grünes Licht gegeben und hofft auf Förderung aus den sogenannten RIT-Mitteln. Der Antrag soll unmittelbar nach Pfingsten rausgehen.

Antragstellung bis Ende Juni

Hinter der Abkürzung RIT verbirgt sich die „Richtlinie über die Gewährung von Zuwendungen für Investitionen in der Tagesbetreuung für Kinder im Alter von drei Jahren bis zur Einschulung“. Mit diesem Programm fördert das Land Niedersachsen unter bestimmten Voraussetzungen jeden neu geschaffenen Kindergartenplatz mit bis zu 7200 Euro. Anträge sind von den Kommunen bis Ende Juni zu stellen. Das übernimmt für die Gemeinde Bilshausen die Samtgemeinde, teilt deren Bürgermeister und Bilshäuser Gemeindedirektor Steffen Ahrenhold (CDU) mit.

Aufgrund der Raumsituation im derzeitigen Kita-Gebäude ist geplant, langfristig mit der Einrichtung in den St.-Bernardus-Stift auszuweichen. Das indes lasse sich unter anderem aus Gründen des Denkmalschutzes nicht kurzfristig realisieren, erklärt CDU-Ratsherr und Kirchenvorstand Matthias Diederich. Für eine Genehmigung und die notwendigen Umbauten des früheren Stiftes müsse mit mindestens zwei bis drei Jahren gerechnet werden. Darüber hinaus sei nicht sicher, ob das Projekt überhaupt finanzierbar sei.

Da für den zu erwartenden Überhang an zu betreuenden Kindern zum Sommer 2020 aber kurzfristig eine Lösung erforderlich sei, sei zunächst auch über eine Containerlösung nachgedacht worden, berichten Ahrenhold und Diederich. Diese Variante sei verworfen worden, weil Kauf oder Anmietung eines Containers „nicht wirtschaftlich darstellbar“, also viel zu teuer sei.

„Gemeinde und Kirchengemeinde wollen die Familien bestmöglich versorgen“, betont Diederich. Daher soll im seit Oktober vergangenen Jahres leer stehenden Pfarrhaus zunächst mit wenigen Umbauarbeiten Platz für eine Kindergartengruppe geschaffen werden. Anhand von Kostenschätzungen werde von etwa 60000 Euro ausgegangen. Die politische Gemeinde habe zwei Drittel und die katholische Kirche als Träger der Einrichtung ein Drittel zu tragen.

Pfarrbüro zieht ins Pfarrheim

Das Pfarrhaus liegt gegenüber der Kita St. Bernardus. Derzeit ist dort nur noch das Pfarrbüro untergebracht, das jedoch ins nahe gelegene Pfarrheim umziehen soll, so Diederich. Für den Gruppenraum mit 13 Plätzen müssen unter anderem eine Wand herausgenommen, Sanitärräume hergerichtet und der Garten eingezäunt werden. Außerdem solle noch ein behindertengerechter Zugang geschaffen werden. Ziel sei es, dass die zusätzlichen Betreuungsplätze im Pfarrhaus zum August zur Verfügung stehen, sagt Ahrenhold. Diederich macht klar, dass es sich um eine „Übergangslösung“ handle.

Wie der Kindergartenbedarfsplanung für Bilshausen zu entnehmen ist, verfügt die Kindertagesstätte St. Bernardus mit Stichtag 1. März über 78 genehmigte Plätze, die von 76 Kindern im Alter von drei bis sechs Jahren belegt sind. In der Krippengruppe gibt es 15 vorhandene Plätze, die komplett an Krippenkinder im Alter von ein bis drei Jahren vergeben sind. Hier bestehe ein weiterer Bedarf, zwei Kinder stehen auf der Warteliste.

Die Belegungsprognose zeige, dass zum 1. August weder ein Krippen- noch ein Kita-Platz verfügbar ist, sondern ein Mehrbedarf von sieben Plätzen bestehe, die auf der Warteliste vermerkt seien. Durch Einschulung oder durch Wegzug würden zwölf Kitaplätze frei und 14 seien an die Kinder im Alter von drei bis sechs Jahren vergeben. „Bei einer 100-prozentigen Inanspruchnahme des Rechtsanspruchs müssten im Krippenbereich 39 Plätze und im Kita-Bereich 85 Plätze zum 1. August vorgehalten werden. Im Kitabereich sowie auch im Krippenbereich wird dieser Rechtsanspruch nicht erfüllt“, heißt es in den Ausführungen zur Kindergartenbedarfsplanung.

Elternbeiträge und Jugendraum

Der Gemeinderat Bilshausen hat während seiner jüngsten Sitzung den Verzicht der Elternbeiträge für die Monate April bis Juni beschlossen. Grund ist die Schließung der Kindertagesstätte St. Bernadus im Zusammenhang mit Covid-19. Die Ratsmitglieder hätten den Wunsch bekräftigt, die Kirche als Träger der Einrichtung möge sich um eine Senkung der Betriebskosten bemühen. Das hat Gemeindedirektor Steffen Ahrenhold im Nachgang der Sitzung mitgeteilt. Gesondert abgerechnet werde die Inanspruchnahme der Notbetreuung.

In Bilshausen etwa hätten Eltern von 45 Kindern Betreuungsbedarf angemeldet, so die vor der Ratssitzung von der Rendantur genannten Zahlen.

Bereits vor der Ratssitzung hatte der Verwaltungsausschuss Bilshausen eine sogenannte Stellplatzbaulast im Umlaufverfahren beschlossen. Diese hatte der Landkreis Göttingen für eine Genehmigung des Bauantrags für den Umbau des ehemaligen Feuerwehrhauses zum Jugendraum gefordert. Ahrenhold rechnet jetzt mit einer zügigen Genehmigung des Projektes.

 

Entnommen aus dem Eichsfelder Tageblatt vom 02.06.2020. Bericht und Foto Britta Eichner-Ramm.