Im Landkreis Göttingen treten immer mehr Kinder den ehrenamtlichen Vereinen bei

Die niedersächsischen Kinder- und Jugendfeuerwehren verzeichnen immer mehr Mitglieder. Dieser Trend zeichnet sich auch in Göttingen und im Eichsfeld ab: Die Kinder sind von dem aufregenden Hobby und Ehrenamt begeistert.

Alle 13 Ortsfeuerwehren der Stadt Göttingen haben eine Abteilung der Jugendfeuerwehr, zwölf eine Kinderfeuerwehr. Die Mitgliederzahlen, vor allem in der Kinderfeuerwehr, steigen kontinuierlich, wie Stadtbrandmeister Holger Lehrum berichtet. Während im Jahr 2014 noch 99 Kinder im Alter von sechs bis zehn Jahren aktiv waren, sind es im Jahr 2019 bereits 160.

Werbeaktionen an Grundschulen und Kindergärten

„In der Kinder- und Jugendfeuerwehr können wir den einzigen Nachwuchs verzeichnen“, erläutert Andreas Schlote, stellvertretender Ortsbrandmeister in Nikolausberg. Neue erwachsene Mitglieder träten hingegen selten bei. „Wir haben sehr aktiv bei verschiedenen Aktionen für den Beitritt zur Kinderfeuerwehr geworben“, sagt Schlote. An Grundschulen und am Kindergarten habe sich die Feuerwehr vorgestellt.

„Wenn sich bei den Aktionen dann zwei, drei Kinder für das Ehrenamt interessieren, zieht das auch ihre Freunde an. Die Eltern unterstützen sie bei ihrem Vorhaben, da sie wissen, dass wir gute Arbeit leisten“, sagt sie. Dabei stehe vor allem der Spaß im Fokus: Wanderungen und Bastelaktionen stehen auf dem Programm, sowie spielerische Wettbewerbe, bei denen das Wissen über die Feuerwehr getestet wird. „Sabine Nolte ist bei uns zuständig für die Arbeit mit den Kindern. Da sie als Erzieherin viel Erfahrungen mitbringt, macht sie das sehr gut“, sagt Schlote.

Ein spannendes Hobby für die Kinder

„Wir haben einen großen Vorteil gegenüber anderen Vereinen: Brände zu löschen und Leben zu retten klingt für die Kinder aufregend. Dennoch müssen auch wir, wie viele andere Vereine, uns anstrengen, neue Mitglieder zu finden“, sagt er. Das Einführen der Kinderfeuerwehr vor vier Jahren habe dem Mitgliederschwund in jedem Fall entgegengewirkt.

In der Samtgemeinde Gieboldehausen sehe es ähnlich aus, berichtet Jugendfeuerwehrwart Matthias Rudolph: „Die Mitgliederentwicklung ist stabil, mit einer steigenden Tendenz“, sagt er. Dies resultiere aus der Gründung der Kinderfeuerwehr. „Dort können die Kinder bereits mit sechs Jahren aktiv werden – und nicht erst mit zehn, wie bei der Jugendfeuerwehr. Das heißt, ihre Freizeit ist noch nicht so verplant.“

„Schon früh lernen die Kinder, was Ehrenamtsarbeit bedeutet, und was die Arbeit bei der Feuerwehr ausmacht“, erläutert Rudolph. Am ältesten sei die Kinderfeuerwehr aus Harste: Die bestehe bereits seit zwölf Jahren. „Nach und nach gründeten sich immer mehr. Die sind auch ortsübergreifend aktiv.“ Nach Krebeck reisten etwa die Kinder aus dem Nachbarort Bodensee für Vereinstreffen an.

165 aktive Kinder- und Jugendliche in Gieboldehausen

„Im Jahr 2018 waren rund 100 Mitglieder in der Jugendfeuerwehr in Gieboldehausen aktiv, davon 70 Jungen und 30 Mädchen. Bei der Kinderfeuerwehr verzeichneten wir 65 Kinder, 42 Jungen und 23 Mädchen“, erläutert der Jugendfeuerwehrwart.

„Bei unterschiedlichen Aktionen haben wir den Kindern die Tätigkeiten bei der Feuerwehr vorgestellt. Im Kindergarten steht etwa die Brandschutzerziehung auf dem Plan“, sagt Rudolph. Außerdem sei die Mundpropaganda wichtig. „Allerdings sieht es in den Orten der Gemeinde unterschiedlich aus: Manche Kinderfeuerwehren können sich kaum retten vor Mitgliedern, bei anderen bestehen Schwierigkeiten, eine Gruppe mit neun Teilnehmern zu bilden“, schildert er. Corona habe die Mitgliedersuche zudem erschwert.

 

Entnommen aus dem Eichsfelder Tageblatt vom 27.10.2020. Bericht Anja Semonjek.