Zum Schutz vor dem Coronavirus wird nur noch nach einem Gottesdienst gelüftet

In den Kirchen im Bistum Hildesheim wird während der Gottesdienste nicht mehr gelüftet. Das Lüften soll nur noch nach dem Gottesdienst für 15 Minuten geschehen, auch deshalb, weil Orgel und Bänke Schaden nehmen könnten. Die Abkehr vom regelmäßigen Lüften sorgt bei einigen Gemeindegliedern im Landkreis Göttingen für Kritik, zumindest aber für Erstaunen. Sind jetzt Orgel und Bänke wichtiger als die Gesundheit der Gottesdienstbesucher?

„Den Gemeinden im Bistum Hildesheim steht ein Leitfaden zur Verfügung, der im Auftrag von 15 Bistümern und Landeskirchen erarbeitet worden ist“, erklärt der Sprecher des Bistums, Volker Bauerfeld. Darin seien Handlungsempfehlungen, aber auch Anordnungen enthalten, wie unter den aktuellen Pandemie-Bedingungen gut gelüftet und optimal geheizt werden kann, sagt er. Es sei richtig, dass die Empfehlung bestehe, nicht mehr während eines Gottesdienstes zu lüften. Mit dem Verhindern einer Luftbewegung im Raum solle ein Ausbreiten des Corona-Virus verhindert werden.

Luftfeuchte von 40 bis 60 Prozent

In den am 3. September aktualisierten Handlungsempfehlungen der 15 Bistümer (katholisch) und Landeskirchen (evangelisch) wird auf eine deutsch-indische Studie verwiesen. Demnach sei nach aktuellem Wissensstand ein Luftfeuchtebereich von 40 bis 60 Prozent zu empfehlen, da dieser die Lebensfähigkeit der Viren beeinträchtige. Darum sei es das Ziel, die relative Luftfeuchte zwischen 50 und 60 Prozent zu halten. Einerseits sei in diesem Feuchtebereich die Infektionsgefahr durch das Virus verringert, andererseits sei ein ausreichender Schutz eventuell vorhandener wertvoller Ausstattungsstücke in den Kirchen gegen Trocknungsschäden gegeben.

In den Kirchen werde nach dem Gottesdienst kurz, aber gründlich gelüftet. Somit werde „ein Großteil der Aerosole“ aus dem Kirchenraum hinaus gelüftet. Für die kalte Jahreszeit wird empfohlen, die Kirche zum Gottesdienst nicht zusätzlich aufzuheizen. Bei einer konstanten Raumtemperatur entspreche die Temperatur der Wandoberflächen fast der der Raumluft. Luftbewegungen würden so weitestgehend reduziert. Heizungen, die die Wärme an einzelnen Stellen in den Raum einbringen, sollten bereits gut 30 Minuten vor dem Gottesdienst ausgeschaltet werden, heißt es in dem Leitfaden.

Auch auf die von Gottesdienstbesuchern geäußerten Hinweise, dass Bänke nicht mehr desinfiziert werden sollten, um das Holz nicht zu schädigen, geht Bauerfeld im Gespräch mit dem Tageblatt ein. „Das ist mir nicht bekannt“, sagt er. Vielmehr sollten Oberflächen regelmäßig gereinigt werden. Dabei sollte freilich darauf geachtet werden, dass das Mittel der Wahl Holz nicht schädige.

Keine Beschwerden über die neue Belüftungsvariante

Für das Dekanat Untereichsfeld sagt Pastor Dr. Matthias Balz von der katholischen Pfarrgemeinde St. Cyriakus Duderstadt, dass ihm keine Beschwerden von Gläubigen über die neue Belüftungsvariante vorliegen. Vielmehr habe es davor Rückmeldungen gegeben der Art, dass ältere Menschen meinten, aufgrund des Durchzugs nicht an Corona, dafür aber an Lungenentzündung zu sterben. Der Pastor stimmt schon einmal darauf ein, dass zur idealen Luftfeuchte von 50 Prozent idealer Weise zwölf Grad Celsius in den Kirchen herrschen sollten und werden.

Allerdings seien die Gottesdienste zeitlich heruntergefahren: auf etwa 45 Minuten. So gebe es nur noch eine anstatt zwei Lesungen aus dem Evangelium. Und ja, die Flächen würden desinfiziert. „Wir gestalten die Gottesdienste so sicher, wie es uns möglich ist“, betont der Seelsorger.

Die evangelischen Kirchen im Landkreis wiederum orientieren sich an einer Handlungsempfehlung der Landeskirche Hannover, der die Corona-Verordnung des Landes Niedersachsen zugrunde liegt und die ein Querlüften empfiehlt.

 

Heizen bewegt die Luft

In den Handlungsempfehlungen von 15 Bistümern und Landeskirchen heißt es unter anderem: „Beheizen Sie Ihre Kirche so, dass während der Nutzung eine relative Luftfeuchte von 50 bis 60 Prozent eingehalten wird. Neuere Heizungsregelungen haben meist einen Feuchtesensor, mit dem sich dies prüfen lässt.“ Alternativ könne ein einfaches Feuchte-Temperatur-Messgerät genutzt werden. Wahrscheinlich werde sich daraus eine Temperatur von rund zehn bis zwölf Grad Celsius ergeben. Der Betrieb der meisten Heizungsarten führe zu großen Luftbewegungen im Raum. Daher sollten sie rechtzeitig ausgeschaltet werden, damit sich die Luft wieder beruhigen kann. Dies gelte insbesondere für Warmluft- und Unterbankheizungen sowie Heizkörper. Fußbodenheizungen, Wandtemperierungen und beheizte Sitzkissen könnten durchgehend betrieben werden. Es gilt die These: Je kälter die Außentemperatur, umso niedriger ist die optimale Raumfeuchte. Daher ist im Winter die ideale Luftfeuchtigkeit für Räume etwas niedriger als im Sommer.

 

Entnommen aus dem Eichsfelder Tageblatt vom Ulrich Meinhard.