„Rette deine Kneipe“: Kommunalpolitiker wollen Gastwirten im Winter mit Werbung unter die Arme greifen

Eine Solidaritätsaktion für die unter der Corona-Krise leidende regionale Gastronomie hat der Göttinger Kreistag angestoßen. Hintergrund ist die kommende Herbst- und Winterzeit, die die Außenbewirtschaftung einschränkt und neues Ungemach bringen kann. Der Landrat wird gebeten, gemeinsam mit der Wirtschaftsförderung Region Göttingen (WRG) eine Kampagne zu initiieren, die eine öffentlichkeitswirksame Unterstützung der Gastwirte bewirken soll.

In dem von der Mehrheitsgruppe SPD/Grüne/Freie Wähler initiierten und einstimmig verabschiedeten interfraktionellen Dringlichkeitsantrag wird auf die sich vermutlich für viele gastronomische Betriebe in der kalten Jahreszeit verstärkende prekäre Situation verwiesen. Darauf sollen die Bürger aufmerksam gemacht und zur Unterstützung animiert werden. Das könne beispielsweise durch Werbung für den Erwerb von Gutscheinen oder Außer-Haus-Verkauf geschehen, sagte Steffani Wirth (Grüne), die den Antrag einbrachte.

Plakate und soziale Medien

Auch eine Sympathiekampagne in den sozialen Medien und eine Plakataktion schweben Wirth vor – frei nach dem Motto „Rettet euer Restaurant“ oder „Rette deine Lieblingskneipe“. Den Gastronomen könnten kostenlos auffällige Plakatwände und Info-Plakate zur Verfügung gestellt werden. Als eigene Idee nannte Wirth, sonntags nicht selbst zu kochen, sondern auswärts zu essen oder sich Essen abzuholen. Mit dem Kreisverband der Dehoga (Deutscher Hotel- und Gaststättenverband) sei Kontakt aufgenommen worden. Es seien noch viele Anregungen möglich.

Dehoga-Kreisverbandsvorsitzender Olaf Feuerstein, der bereits von der WRG angesprochen wurde, begrüßt die „hervorragende Idee“ und hat schon erste Betriebe kontaktiert. Jetzt gehe es um das Feintuning und den Abstimmungsprozess. Es gebe viele gut gemeinte Anträge, die aber auch zielführend umgesetzt werden müssten.

Die Corona-Krise bedrohe viele gastronomische Betriebe in ihrer Existenz, sagte Wirth im Kreistag. Dem Lockdown im Frühjahr sei in den Sommermonaten nur eine teilweise Erholung gefolgt, vielerorts auch durch verstärkte Außenbewirtschaftung. Das werde sich für die meisten Restaurants, Kneipen und Bars in der kälteren Jahreszeit nicht fortsetzen. Unabhängig von Hilfen des Bundes oder des Landes könne man der Gastronomie mit einer selbst initiierten Sympathiekampagne unter die Arme greifen: „Es darf im Frühjahr kein böses Erwachen geben, weil Betriebe ihre Türen für immer schließen müssen und auch Arbeitsplätze wegfallen.“ Öffentliche Gaststätten seien Bestandteil des sozialen Lebens im Landkreis.

Kooperation mit der Stadt Göttingen

Mit der WRG sollte schnellstmöglich ein Konzept entwickelt werden, sinnvoll wäre auch eine Zusammenarbeit mit der Stadt Göttingen. Die Kampagne sei mit einem überschaubaren Budget umsetzbar, meinte Wirth. Zu prüfen sei dabei, ob das wahrscheinlich nicht mehr benötigte Geld für die in diesem Jahr wegen der Corona-Krise ausgefallene Göttinger Genussmeile als Basis für die Kampagne umgewidmet werden könne.

Thomas Carl Stiller (FDP) begrüßte den Antrag ebenso wie Eckard Fascher (Linke). Stiller regte an, die Außengastronomie im Herbst und Winter durch den Einsatz von Heizpilzen oder umgewidmete Parkflächen zu erweitern. „Wir können es uns nicht leisten, die für Lebensqualität sorgende Gastronomie kaputtgehen zu lassen“, sagte Fascher – „ob in der Studentenstadt Göttingen oder im touristisch geprägten Altkreis Osterode“.

 

Entnommen aus dem Eichsfelder Tageblatt vom 07.10.2020. Bericht Kuno Mahnkopf. Foto Hinzmann.