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Geschichte

Die Entstehung des Namens "Bilshausen"

Die sächsischen Einwanderer, auf die die Gründung des Dorfes Bilshausen zurückgeht, waren noch Heiden. Sie verehrten den alten germanischen Götterhimmel mit Donar, Wothan, Freia und vielen anderen Göttern. Die alte Bilshäuser Sage berichtet über die Verehrung des Götzen Biel, von dem das Dorf seinen Namen haben.

In dieser Sage heißt es:

"Zwischen Bilshausen und dem Höherberg liegt der Opfergrund. Ehemals führten von allen Seiten sieben Fußwege hierher. In heidnischer Zeit soll hier eine Opferstätte gewesen sei, wie die Sage erzählt.

Die alten Sachsen verehrten unter anderem den Gott »Biel«. Der Hauptsitz seiner Verehrung war die Bielshöhe bei Katlenburg. Hier befand sich auch ein Bildnis des Götzen. Als der heilige Bonifatius in diese Gegend kam und den Christenglauben predigte, stürzten seine Begleiter das Götzenbild den Abhang des Berges hinunter, so dass es in Trümmer fiel. Während der Nacht kamen aber heidnische Priester, lasen die Teile des Bildes auf und fügten sie wieder zusammen. Dann brachten sie das Götzenbild in die Gegend des heutigen Bilshausen, wo damals noch ein großer Urwald war. Sie stellten das Bildnis am Höherberg auf. Nach wie vor brachten sie ihrem Götzen Biel Menschen- und Tieropfer dar. Die Tiere wurden im nahen »Teufelsgraben« geschlachtet und anschließend verbrannt. Der Ort erhielt deshalb den Namen »Opfergrund«.

An der Stelle, wo heute die Pfarrkirche von Bilshausen steht, errichteten die Priester des Biel ihr Wohnhaus, das nach dem Gott den Namen »Bielshaus« führte. Als später das Christentum immer weiter vordrang, wurde das Priesterhaus zerstört. Bald darauf erbaute hier ein sächsischer Fürst einen Hof, es siedelten sich weitere Menschen an, und so entstand das Dorf. Der Name »Bielshaus«, der anfangs beibehalten worden war, verwandelte sich im Laufe der Zeit in »Bilshausen«."

Quelle: Bilshausen - Geschichte eines Dorfes im Eichsfeld, Teil I, Von den Anfängen bis zum 30jährigen Krieg von Hermann Bringmann

Geschichte von Bilshausen

Im Schutz bewaldeter Höhenzüge liegt am nördlichen Rand des Eichsfeldes das Dorf Bilshausen. Der an der Rhume gelegene Ort gehört zur Samtgemeinde Gieboldehausen und zählt 2.445 Einwohner, von denen etwa 80 % röm.-katholisch und 20 % ev.-lutherisch sind. Seine Gemarkung umfaßt 8,22 qkm.

Geschichte:

Bilshausen wird in der auf das Jahr 952 datierten Stiftungsurkunde für das Klosters Pöhlde erwähnt, bei der es sich jedoch um eine aus dem 13. Jhdt. stammende Fälschung handelt. Einige Hügelgräber im „Großen Berg“ bezeugen jedoch, daß die Umgebung von Bilshausen schon zur Bronzezeit besiedelt war. Im Jahr 1242 gelangte Bilshausen in den Besitz der Deutsch-Ordens-Ritter, die es dann 1321 an die Herren von Plesse verkauften. Das Wappen der Gemeinde, ein blauer Schild mit drei silbernen Schrägbalken, entspricht dem Wappen des Bertram von Bilshausen, der 1314 Ordenshalter in Bilshausen war. Von 1322 an gehörte Bilshausen politisch dem Bischof von Hildesheim, obwohl es kirchlich dem Erzbischof von Mainz (Erzbistum Mainz) unterstand, dessen Kurfürstentum es 1492 dann, zusammen mit dem Amt Lindau, für mehr als 300 Jahre auch politisch zugeordnet wurde. Nach 1802 kam Bilshausen vorübergehend zu Preußen und zum Königreich Westphalen (®Westphalen, Königreich) und nach dem ®Wiener Kongreß mit dem Untereichsfeld zum Königreich Hannover, um dann 1866 endgültig „preußisch“ zu werden.

Wirtschaft:

Bis in unser Jahrhundert hinein war Bilshausen überwiegend landwirtschaftlich geprägt, obwohl sich viele Einwohner mit Heimarbeit oder als Handelsleute und Bauarbeiter ihren Unterhalt „in der Fremde“ verdienen mußten (®Wanderarbeit). Bilshausen war bekannt für seine Stroh- und Korbwaren, besonders jedoch für die Kanarienhähne, die, im Eichsfeld und im Harz gezüchtet, von hier bis nach Übersee verkauft wurden. Seit 1907 beschäftigte eine der größten Zigarrenfabriken (®Zigarrenfabrikation) des Eichsfeldes für fast siebzig Jahre viele Frauen des Ortes. Heute machen die Jacobi-Tonwerke, schon im letzten Jahrhundert im Süden des Ortes gegründet und seit 1934 im Ortsteil Strohkrug angesiedelt, Bilshausen weit über die Grenzen des Eichsfeldes hinaus bekannt (®Ziegeleien).

An der hiesigen Grundschule

...werden Schüler aus Renshausen, an der Hauptschule aus Bodensee, Krebeck und Renshausen zusammen mit den Bilshäuser Schülern unterrichtet.

Vereine

Besonders hervorzuheben ist das rege Vereinsleben des Ortes. Über 20 Vereine, darunter fünf Sportvereine, drei Chöre und drei Musikzüge bereichern das Gemeindeleben in besonderer Weise.

Baudenkmale:

Kath. Pfarrkirche St. Kosmas und Damian von 1782; ev. Pauluskirche, nach dem Zuzug der Vertriebenen 1951 errichtet (®Bilshausen, Kirchen). Kapelle „Am Hessenberg“, 1801 Kreuzwegstation (4. Station: Christus begegnet seiner Mutter): 1842, h - 1,70 m, Rotsandstein (im Teiche); Prozessionsaltar: 1843, h - 1,75 m, Rotsandstein (Am Osterberg); Gedenkstein, 1854 (am Waldrand). Wohnhäuser (Gartenstr. 1, Hauptstr. 17, Kirchstr. 11, Lindenstr. 6, 22, Ritterstr. 17, Sandweg 17, 19, 30, 31, 43). Rhumemühle (Mühlenstr. 2) 1692.

Bilshausen, Kirchen

Katholische Pfarrkirche „St. Kosmas und Damian

Nachdem schon vor dem ®Siebenjährigen Krieg (1756 - 63) die alte Pfarrkirche abgerissen und neue Fundamente aufgemauert waren, konnte erst 1780-83 der Neubau der kath. Pfarrkirche St. Kosmas und Damian durch den Nesselröder Maurermeister Johann Burchardt nach dem vorhandenen Entwurf fortgeführt und beendet werden. Es entstand ein einschiffiger Saalbau mit Dachreiter und polygonalem Chorschluß unter Beibehaltung des noch vorhandenen gotischen Turms von 1515. Der lisenengegliederte Außenbau aus Buntsandsteinquadern weist teilweise ornamentierte Fensterschlußsteine und identische Portale an Nord- und Südseite auf, deren rundliche, aus Voluten, Blüten und verschlungenen Bändern gebildete Säulenkapitelle eine für diese Region ungewöhnliche Form aufweisen.

Die Architektur des lichten Innenraums offenbart bereits klassizistische Anklänge, v.a. im antikischen Dekor (Eierstab-, Perlstab- und Zahnschnittfriese) der Pilastergesimse, die stuckverzierte Gurtbögen aufnehmen.

Kanzel und zweistöckiger, spätbarocker Hauptaltar in Weiß-Gold-Fassung passen sich der hellen Grundstimmung des Raumes an. Das Altarbild mit der Kreuzigungsdarstellung stammt aus der Lindauer Pfarrkirche (®Lindau, Kirchen) und ersetzt seit 1985 ein weniger qualitätvolles Altarbild vom Anfang des 20. Jhdts. Wie in Desingerode (®Desingerode, Kirche) sind Dreifaltigkeitsfiguren und Strahlenkranz, die sonst üblicherweise die Altarbekrönung bilden, in das Rundfenster der hinteren Chorwand eingepaßt.

In zwei gegenüberliegende Fenster unter der Empore sind Fragmente mittelalterlicher Glasmalerei eingesetzt.

Die ev.-luth Pauluskirche,

...eine Stiftung nordamerikanischer Christen, wurde 1951 nach dem Entwurf des Darmstädter Architekten Otto Bartning (1883-1959) errichtet, der in Abkehr von den bis ins 20. Jhdt. verfolgten historistischen Stilen einen zeitnahen protestantischen Kirchbautypus verfolgte und damit nationale Bedeutung erlangte (Kirchen in Essen, Berlin, Karlsruhe, Österreich). Die Pauluskirche ist eine der rd. 50 Gotteshäuser vom Typ Holzgerüst-Fertigbau, von Bartning durch einfache Bauform und Materialbeschränkung zu einer durchdachten multifunktionalen Konstruktion entwickelt. Der rechteckige Hauptraum hat verglaste Giebelseiten, einen offenen Dachstuhl und einen angegliederten Gemeinschaftsraum, der durch Öffnung eines Wandteils zum Kirchenraum geöffnet werden kann. Der Altar befindet sich in einer durch Wandklappen verschließbaren Nische.

Bartnings Raumkonzeption, insbesondere die durchgehende Holztäfelung, vermittelt den Eindruck von Behaglichkeit und Gemeindenähe.

Quelle: Duderstadt und das Untereichsfeld“, Lexikon


AZ 10 91 02

Berichte über die beiden Kirchen in Bilshausen

Quelle: Die Kirchen im Eichsfeld, Kirchen- und Kunstführer, Mecke Druck und Verlag, Duderstadt 2005

St. Kosmas und Damian

Kath. Pfarrkirche, Bistum Hildesheim; Kirchenbücher seit 1665

Baudaten:

Westturm im Kern spätgotisch, Inschrift an der Südwand des Turmes stark verwittert, 1515 n. Lit., 1781-83 Neubau des Kirchenschiffs durch Maurermeister Johann Burchard, Nesselröden.

Bau und Ausstattung:

Verschieferter Spitzhelm mit vier Filialtürmchen, verschieferte Laterne auf Ziegeldach, Rotsandstein-Quaderbau mit Pilastergliederung, eingebettet in parkähnliche Grünanlage. Innen hell gestrichener spätbarocker Saalbau mit gegurteter Langhaustonne, dreiseitig geschlossener Chor, Pilaster im ganzen Kirchenraum, im Chor als kannelierte Pilaster ausgebildet.

Hochaltar:

Aus der Erbauungszeit, zweigeschossig, unteres Altarblatt Darstellung der Kreuzigung (1989 aus Lindau), von den zahlreichen Einzelfiguren wurden wertvollsten 2005 restauriert und neu aufgestellt: hl. Anna Selbdritt: um 1700, im Altarraum auf neuer Stele; romanische Madonna: 1150, im Städtischen Museum Göttingen; Fenster: Albert Reinker, Everswinkel, 1983, Darstellungen der acht Seligpreisungen und der Patrone St. Kosmas und Damian; zwei Fenster: mittelalterlicher Stil unter der Empore, u. a. mit St. Stephanus; Zelebrationsaltar: 1985 geweiht; Ambo: Alabaster, nach Entwürfen von Heinrich Gerhard Bücker, Beckum-Vellern; barockes Gestühl: 1969 Abbau, Wangen erhalten und sollten verwendet werden, unpassende Bänke als Ersatz.

Gottesdienst:

Di. 19.00, Do. 7.45, Sa./So. im Wechsel

Öffnungszeiten:

tägl. 8.00-19.00 Uhr

Kontakt:

Pfarrbüro, Tel. 05528-8926

St. Paulus

Ev. Kirche, pfarramtlich verbunden mit der Kirchengemeinde Lindau, Kirchenkreis Herzberg, Ev.-luth. Landeskirche Hannovers.

Baudaten:

1951 Neubau südlich des Ortsrandes in der Bergstraße zur Betreuung der vielen vertriebenen und in der Diaspora angesiedelten evangelischen Christen nach den Plänen des Bauhaus Architekten Otto Bartning im Stil der insgesamt 50 von nordamerikanischen Christen gestifteten Notkirchen.

Bau und Ausstattung:

Rechteckiger Baukörper mit Satteldach, verglasten Giebelseiten und offenem Dachstuhl, Gottesdienstraum für 100 Personen mit zuschaltbarem Gemeinderaum; abtrennbare Altarnische. Aufbau aus mit serienmäßig erstellten Holzkonstruktionen und massiven Außenwänden. Ausstattung im Stil der 50er Jahre, bewegliches Gestühl, schlicht gestalteter Altar, einfache Kanzel und Taufe aus Holz. Glocken: Kurth, Stuttgart, 1960 (1).

Gottesdienst:

mtl. dreimal So. 9.00 Uhr, mtl. einmal Sa. 17.00 Uhr.

Kontakt:

Pfarrbüro Kreuzkirchenstraße 1, 37191 Katlenburg-Lindau, Tel. 05556-335


Reformation und Gegenreformation im Untereichsfeld – dargestellt am Beispiel der Gemeinde Bilshausen

Reformation_UE_Komplett.pdf (4MB)