Die Schwestern Verena Wüstefeld und Jessica Berlin sind seit 20 Jahren als Trainerinnen beim BCC aktiv

Sie tragen das Karnevals-Gen in sich – und das schon in der dritten Generation: Verena Wüstefeld und Jessica Berlin sind Schwestern und seit 20 Jahren verantwortlich für das Männerballett und die Kindergarde des Bilshäuser Carneval Clubs (BCC).

Karl Engelhardt, Gründungsmitglied des Vereins und Großvater der beiden Bilshäuserinnen, war 1959 der erste Prinz in der Rhume-Gemeinde. Ihr Vater Gerhard Engelhardt übernahm dieses Amt im Jahr des 20-jährigen Bestehens 1979. „In dem Jahr wurde ich geboren“, erzählt Jessica Berlin, die während ihrer Schulzeit und in ihrem Berufsleben am Rosenmontag mit dem BCC-Tross durch das Dorf gezogen ist. „Nur einmal war ich nicht dabei, ich nehme mir Urlaub. Meine Chefin hat schon nachgefragt, wann in diesem Jahr Karneval ist“, erzählt die Medizinische Fachangestellte. Auch Verena Wüstefeld hat in der Rosenmontags-Woche Urlaub. „Da will bei uns sowieso keiner freimachen. Das geht problemlos“, sagt die Sparkassenkauffrau bei der KSN Northeim.

Während die ältere der beiden Schwestern keine einzige Lücke in ihrer BCC-Biografie aufzuweisen hat, fehlt Jessica Berlin die Kinderprinzessin. „Das hat irgendwie nicht gepasst“, sagt die 40-Jährige. Verena Wüstefeld war in dem Jahr, als ihr Vater Regent bei den Erwachsenen war, Kinderprinzessin und 1986 „große“ Prinzessin. 2010 haben Jessica Berlin und ihr Mann Dennis das Amt des Erwachsenen-Prinzenpaares gemeinsam übernommen. „Wir waren das erste Ehepaar überhaupt. Vorher gab es nie ein Prinzenpaar, das auch im normalen Leben ein Paar war“, erzählt die Mutter von zwei Töchtern, die inzwischen in der Jugend- und Kindergarde tanzen. Auch Verena Wüstefelds beide Töchter waren beziehungsweise sind noch aktiv in der Garde.

Ganzjahres-Job im Verein

Für die 53-Jährige ist Karneval ein Ganzjahres-Job, denn sie ist nach zehn Jahren als Schriftführerin (2007 bis 2017) inzwischen als Geschäftsführerin im Vorstand aktiv. „Ich bestelle, der Kassenwart zahlt“, fasst sie ihre Aufgabe augenzwinkernd zusammen.

Seit 20 Jahren übt Verena Wüstefeld ab Oktober regelmäßig mit „ihren“ Männern für die großen Auftritte an den Büttenabenden. In diesem Jahr sind es sieben Tänzer, es waren auch schon einmal neun. Einmal wöchentlich trifft sich die Gruppe, feste Zeiten gibt es nicht. „Einige arbeiten im Schichtdienst, wir regeln das flexibel. Hinzu kommen zwei längere Sonnabend-Termine – da gehören Bier und Mettwurst immer dazu.“ Von „Lord of the Dance“ über „Dirty Dancing“, „Amadeus“, „Synchronschwimmen“ bis zu „Very British“ in diesem Jahr haben die Männer schon viele Themen vertanzt. „Die Kostüme und Schauspiel-Einlagen sind mit den Jahren immer wichtiger geworden.“ Hier bringen sich die Tänzer auch ein, sie fertigen die Requisiten an, reden mit, wenn es um die Deko – aber auch um die Choreografie – geht. Absolut tabu ist übrigens Helene Fischer: „Die geht bei den Männern gar nicht.“ Auch wenn ihre Übungsleiterin, die die Truppe gemeinsam mit Katrin Schmidt betreut, manchmal mit dem Trainingsfleiß hadert, kann sie sich aber doch auf die Aktiven zwischen 30 und 50 Jahren verlassen. „Wenn es drauf ankommt, können sie es.“

Männerballett mit Gastauftritten

Auch außerhalb des Karnevals treffen sie sich bei privaten Feiern und sind schon als Gäste aufgetreten. Beispielsweise beim Frauentag der CDU im Göttinger Hotel Freizeit In, beim befreundeten Männerballett in Lenglern oder auf private Einladung in Regensburg. „Wenn dann mal einer fehlt, tanze ich auch mit“, sagt Verena Wüstefeld.

Nach den Sommerferien beginnt das Tanztraining für die Kindergarde, zu der immer Mädchen im Alter von neun bis elf Jahren gehören. „Wer zwölf wird, ist raus. Aber es gibt eine Warteliste zum Auffüllen“, sagt Jessica Berlin, die gemeinsam mit Tina Jünemann und den Mädchen einen klassischen Gardetanz und einen Showtanz einübt. Das Internet ist für die BCC-Trainerinnen eine unerschöpfliche Quelle, aus der sie ihre Ideen erhalten. „Karneval im Fernsehen schauen wir uns gar nicht an“, sind sie sich einig.

Schon immer gute Sänger beim BCC

Dass auch die Karnevalisten Nachwuchsprobleme haben, mache sich daran bemerkbar, dass es immer schwieriger wird, einen Prinzen zu finden. „Früher war es eine Ehre, Karnevalsprinz zu sein“, erinnert sich Wüstefeld. Büttenredner sind inzwischen in der Minderheit. „Bilshausen hat schon immer gute Sänger gehabt“, sagen beide.

 

Entnommen aus dem Eichsfelder Tageblatt vom 06.02.2019. Bericht Kathrin Lienig. Foto KAL.