Überpfarrlicher Personaleinsatz: Zukunftswerkstatt zu Veränderungen der katholischen Kirche

Mit Blick auf bevorstehende strukturelle Änderungen mit überpfarrlichem Personaleinsatz im Dekanat Untereichsfeld haben sich rund 50 Mitglieder aus den vier Kirchorten der Pfarrei St. Cosmas und Damian Bilshausen zu einer Zukunftswerkstatt getroffen. Das Fazit der überwiegenden Mehrheit: „Wir schaffen das!“

Mit der neuen Form der Personalplanung wolle sich die katholische Kirche zukunftsfähig machen, begann Pfarrgemeinderatsmitglied Kordula Dittrich einen Überblick über die zukünftigen Strukturen. Auch in der Pfarrgemeinde Bilshausen mit ihren Kirchorten Krebeck, Renshausen, Lindau und Bilshausen werde ab 1. September der überpfarrliche Personaleinsatz geplant (ÜPE). Zurzeit gebe es im Dekanat sechs Pfarreien mit 30 Kirchorten. Durch die Änderungen, die auf dem Stellenplan 2025 des Bistums Hildesheim basieren, werde es zwei pastorale Teams für je drei Pfarreien geben. Die Teams bestehen aus jeweils einem Pfarrer, einem Pfarrvikar und einem Gemeindereferenten. „Die Teams verstehen sich als Begleiter in den Kirchorten“, erläuterte Dittrich.

Anders als 2014 bedeute die Zusammenlegung aber keine Fusion der Pfarreien, so Dittrich weiter. Vielmehr werde die pastorale Versorgung zentralisiert. Damit gehe eine Ausweitung des Ehrenamtes einher, zum Beispiel durch Wortgottesdienstleiter, Beerdigungsleiter, Lektoren und Kommunionhelfer. Hintergrund der Maßnahmen sei die abnehmende Zahl der Priester. Auch die Zahl der Gläubigen sinke dramatisch. Dadurch seien auch die finanziellen Spielräume des Bistums enger geworden.

„Müssen es nehmen, wie es ist“

Die Pfarrgemeinderats-Vorsitzende Anezka Altmann begrüßte zur Zukunftswerkstatt Propst Bernd Galluschke und Pfarrer Matthias Kaminski, der künftig für die Pfarreien Bilshausen, Gieboldehausen und Rhumspringe zuständig ist. „Sie werden nicht Gieboldehausen“, betonte Kaminski, „sie bleiben St. Cosmas und Damian Bilshausen.“ Er sei nicht gekommen, um über Enttäuschungen zu reden. „Wir müssen es nehmen, wie es ist.“ Aber erste Gespräche mit Altmann, den Kommunionhelfern und Eltern seien bereits positiv verlaufen. Es sei verständlich, dass die Gemeindemitglieder gewisse Ängste hätten. Auch den Priestern bereite die neue Situation einige Magenschmerzen. „Aber es sind immer noch viele Menschen, die mitmachen, die Kirche aktiv zu gestalten.“

„Wenn Sie etwas zu meckern haben wollen“, sagte Kaminski ganz offen, „da werde ich Ihnen viel liefern. Das kann ich Ihnen versprechen.“ Es tue weh, den Gemeinden Liebgewonnenes zu nehmen. Er habe mit jeweils zwei Vertretern aus den drei Pfarreien an einer neuen Gottesdienstordnung gearbeitet. Man habe sich als Rahmen für ein Sechs-Wochen-Modell entschieden, in das pastorale Gegebenheiten einfließen sollen. Da seien zum Beispiel der Himmelfahrtsgottesdienst an der Mordmühle und das Magdalenenfest in Lindau, der Muttertagsgottesdienst an der Klus in Bilshausen oder auch der Vorabend an Himmelfahrt in Brocht­hausen, aber auch die Wallfahrten, welche Berücksichtigung finden. „Sie müssen in Zukunft in den Pfarrbrief schauen.“

„Erwarten Sie von mir keine perfekten Lösungen, wie Kirche in Zukunft funktioniert“, sagte der Propst. Das Problem sei, dass kein weiteres Personal zur Verfügung stehe. „Ich kann nicht überall gleichzeitig sein, aber ich kann erreichbar sein“, verwies Galluschke auf die Möglichkeiten moderner Kommunikation. Viel werde in Zukunft von der Kommunikation untereinander abhängen. Darüber hinaus habe jedes Gemeindemitglied unterschiedliche Gaben und Fähigkeiten. Die gelte es in Zukunft verstärkt einzubringen. Allerdings dürften die Leute, die sich bereit erklären, Aufgaben zu übernehmen, nicht überladen werden.

Die Zusammenlegung der Pfarreien könne auch eine Chance sein, erinnerte Dittrich an die positiven Aspekte aus den Fusionen von 2014. Sicher müsse man Kompromisse finden, aber das sei zum Beispiel in der Jugendarbeit bereits gut gelungen. Erst durch Zusammenarbeit sei es möglich, dass Kirche lebendig sei und nicht nur ein Gebäude. „Denn wozu brauchen wir die Gebäude, wenn am Ende keiner reingeht?“

 

So ist das Dekanat organisiert

Im Dekanat Untereichsfeld leben mehr als 26 000 Katholiken. Von Gieboldehausen werden die Pfarreien St. Cosmas und Damian in Bilshausen, St. Laurentius in Gieboldehausen und St. Sebastian in Rhumspringe mit ihren mehr als 11 000 Katholiken überpfarrlich betreut. Von Duderstadt aus sind es die Pfarreien St. Cyriakus in Duderstadt,
St. Georg in Nesselröden und St. Johannes der Täufer in Seulingen mit mehr als 15 000 Katholiken. Sowohl in Duderstadt als auch in Gieboldehausen werden ein Pfarrer, ein Pfarrvikar und ein Gemeindereferent eingesetzt. Zusätzlich stehen dem Dekanat ein Pastoralreferent sowie zwei halbe Stellen für einen Gemeinde­referenten und einen Priester zur Verfügung. Hinzu kommen eine ­halbe Stelle für einen Priester sowie ein Gemeindereferent in der Jugendseelsorge.

 

Entnommen aus dem Eichsfelder Tageblatt vom 09.07.2019. Bericht Rüdiger Franke. Foto Schneemann.