Digitalpakt Schule: Voraussetzung ist die Infrastruktur

Mit dem Digitalpakt Schule versprechen Bund und Länder fünf Milliarden Euro für die digitale Infrastruktur an den deutschen Lehranstalten. In Niedersachsen sollen knapp 470 Millionen bereitstehen, Stadt und Landkreis Göttingen können mit rund 17 Millionen Euro rechnen. Die Samtgemeinde Gieboldehausen erhält aus dem Digitalpakt Schule 220 000 Euro. „Das klingt nach viel Geld“, sagte der stellvertretende Fachbereichsleiter Stefan Jagemann während der jüngsten Sitzung des Schulausschusses. Doch dieses könne nicht allein für die Anschaffung von mobilen Endgeräten ausgegeben werden.

In Trägerschaft der Samtgemeinde Gieboldehausen gibt es die vier Grundschulen in Bilshausen, Gieboldehausen, Obernfeld und Rhumspringe. Die Gesamtsumme errechne sich nach Angaben Jagemanns aus einem Sockelbetrag von 30 000 Euro je Schule. Dazu gibt es eine von der Schülerzahl abhängigen Summe: Für Bilshausen sind das 33 855 Euro, für Gieboldehausen 32 973 Euro, für Rhumspringe 17 818 Euro und für Obernfeld 16 259.

Jagemann machte in seinem Sachstandsbericht vor den Mitgliedern des Fachausschusses klar, dass zunächst einmal die Regularien zu erfüllen seien, um überhaupt eine Förderung beantragen zu können. Seit geraumer Zeit seien die Samtgemeinde und die Schulen dabei, ein Medienbildungskonzept zu erarbeiten. Dazu zähle auch eine Bestandsaufnahme.

Eine der wichtigsten Voraussetzungen für die Digitalisierung der Schulen sei die entsprechende Infrastruktur, erläuterte Jagemann. „Vorher gibt es kein Geld für mobile Endgeräte.“ Der Ausbau des Glasfasernetzes wäre förderfähig, „allerdings hängen wir noch ziemlich hinterher“, bilanzierte der Verwaltungsmann. Es sei die Bandbreite an den Schulen mit dem, was derzeit möglich sei, erhöht worden. Ziel sei es, alle Klassen mit funktionsfähigem WLAN auszustatten. Jagemann gab zudem zu bedenken, dass allein für die Anschaffung der Geräte mit einem mittleren dreistelliger Betrag pro Gerät gerechnet werden müsse. In Summe dürften laut Förderrichtlinien aber nicht mehr als 25000 Euro je Schule für die mobilen Endgeräte ausgegeben werden.

Möglichst viel selbst leisten und Geld sparen

Die Ausschussmitglieder hörten außerdem, dass Zuschüsse aus dem Digitalpakt Schule unter der Voraussetzung gewährt werden, dass der Schulträger „sämtliche Folgekosten“ zu übernehmen habe. Dazu zählen Jagemann zufolge nicht nur Betriebs- und Reparaturkosten, sondern auch Kosten für Internetanbindung, Administration, Serviceverträge oder auch Ersatzbeschaffungen. Jagemann schätzte die Technik- und Serverkosten auf einen fünfstelligen Betrag pro Jahr, der von der Samtgemeinde zu finanzieren sei. In dem Zusammenhang warnte Samtgemeindebürgermeister Steffen Ahrenhold (CDU) vor einer zu großen Erwartungshaltung der Eltern.

Die Stadt Göttingen habe Supportleistungen und die Hardwarewartung für die Schulen in ihrer Zuständigkeit an die stadteigenen Kommunalen Dienste Göttingen (KDG) abgegeben, berichtete Jagemann weiter. In der Samtgemeinde Gieboldehausen will man indes versuchen, bei der Umsetzung des Digitalpakts möglichst viel selbst zu leisten, um mehr Geld für andere Dinge ausgeben zu können, so Ahrenhold.

Der Samtgemeindebürgermeister appellierte an das Land, die Kommunen bei der Digitalisierung im Blick zu halten. Ratsherr Thomas Ehbrecht, zugleich Eichsfelder CDU-Landtagsabgeordneter, stimmte zu, dass die Digitalisierung dringend benötigt werde. Das Thema Folgekosten sei auch schon im Land angekommen. Er stellte Lösungen für die Kommunen und Schulträger in Aussicht, nannte aber noch keine Details.

Erst schreiben lernen, dann wischen

Viel zu bürokratisch seien die Förderrichtlinien beim Digitalpakt Schule, kommentierte Rainer Lentes (SPD) die Ausführungen Jagemanns. Die Schulleiterinnen Katharina Woitschewski und Daniela Murra wiesen darauf hin, dass Erstklässler zunächst einmal Lesen, Rechnen und mit dem Stift schreiben lernen sollten, bevor sie über ein Tablet wischen.

 

Entnommen aus dem Eichsfelder Tageblatt vom 31.08.2020. Bericht Britta Eichner-Ramm.