Neustart beim Männergesangverein Concordia Bilshausen / Ehemaliger Chorleiter kann und will nicht mehr weitermachen

Florian Pabst hat die Leitung des Männergesangvereins (MGV) Concordia Bilshausen übernommen. Er tritt damit die Nachfolge von Alexander „Sascha“ Richter an, der zwischenzeitlich bis zu fünf Chöre gleichzeitig geleitet, sich nun aber aus allen Chören zurückgezogen hat.

17 Jahre lang leitete Richter den Chor in Bilshausen. „Er ist ein begnadeter Musiker“, sagt Reinhard Liebenau, der 1. Vorsitzende des MGV. Davon ist er nach wie vor überzeugt. Und deshalb betont er auch ausdrücklich: „Es war meine schwierigste Entscheidung in 32 Jahren Vorstandsarbeit, Abschied zu nehmen von Sascha Richter.“ Verschiedene gesundheitliche Gründe hätten dazu geführt, dass Richter nicht mehr habe weitermachen können. In der Tat könnte Richter momentan kaum auf einer Bühne stehen: „Ich erhole mich gerade von einem dreifachen Rippenbruch, das wird noch ein paar Monate dauern“, erklärt er. So wirklich Lust habe der 64-Jährige aber ohnehin nicht mehr auf die Tätigkeit als Chorleiter gehabt: „Die Chöre werden immer älter, und das führt auch zu immer mehr Problemen in den einzelnen Stimmlagen. Die nachlassende Qualität macht mich traurig“, betont Richter. Gleichzeitig sagt er aber auch: „Ich habe weiterhin viel Freude an der Musik und kann auch immer noch abendfüllende Konzerte mit Klavier oder Knopfakkordeon spielen.“ Außerdem betreue er einen sehr talentierten Klavierschüler: „Der spielt wie ein junger Gott“, lobt der erfahrene Musiker.

Respekt vor der Erfahrung

Vor der Erfahrung und dem Können Richters haben sie in Bilshausen nach wie vor den allergrößten Respekt. Das gilt aber auch für seinen Nachfolger: Pabst stammt aus Bilshausen, ist mit seinen 33 Jahren schon ein anerkannter Musiker. Mit sechs begann er mit dem Klavierspielen, später nahm er Orgelunterricht, ließ sich dann auch zum Orgelbauer ausbilden. Seit 2000 ist er Kirchenmusiker, hat erfolgreich die D-Prüfung absolviert. „Dabei bekommt man auch in Sachen Chorleitung einiges mit“, sagt Pabst, auch wenn ihn dieser Aspekt früher „ehrlicherweise noch nicht so sehr interessiert“ habe. In den vergangenen Jahren habe er sich viel von seinem Vorgänger abgeschaut, denn Pabst ist selbst seit 2006 Sänger bei der Concordia. „Eigentlich hätten wir ihn gern als aktiven Sänger behalten“, sagt Liebenau – zumal Pabst in allen Stimmlagen eingesetzt werden könne. Deshalb habe sich der Verein zunächst nach Alternativen umgeschaut; mehrere Damen hätten sich als potenzielle neue Chorleiterinnen vorgestellt. „Aber die passten alle nicht zu uns“, fasst Liebenau zusammen. Mal sei es an unterschiedlichen Ansprüchen gescheitert, mal am Verständnis für die Belange des Chors. Vor allem wünschten sich die MGV-Mitglieder aber, dass wieder Ruhe einkehrt, dass man sich wieder auf die Musik und kommende Auftritte konzentrieren kann – etwa auf das traditionelle Weihnachtskonzert zugunsten des Göttinger Elternhauses für das krebskranke Kind.

„Florian Pabst macht das unheimlich gut“, lobt Niklas Ercan, mit 28 Jahren einer der jüngsten der derzeit 25 aktiven Sänger. Der älteste ist 93 – und schon seit 70 Jahren dabei. „Die Mischung muss stimmen“, findet Pabst und meint damit sowohl die Altersstruktur (Durchschnittsalter: 60) als auch das Liedgut. „Ich möchte den Chor nicht komplett umreißen, aber wir wollen uns weiter verbessern“, sagt der neue Leiter. Neben traditionellen Liedern seien auch moderne Stücke willkommen – etwa von Voxxclub („Rock mi“) oder Santiano. Bei der Probe am vergangenen Montag stehen unter anderem „Über den Wolken“ und die „Diplomatenjagd“ auf dem Programm. Pabst führt routiniert durch die Stücke, macht freundliche, aber bestimmte Ansagen. Der Zuhörer bemerkt sofort: Die Chemie stimmt, alle haben Respekt und gleichzeitig Freude an ihrem neuen Chef. Und wenn der MGV Concordia dank Florian Pabst eine positive Zukunft vor sich hat, dann dürfte das auch Sascha Richter freuen.

 

Keine „Richter-Chöre“ mehr im Eichsfeld

Mit dem Männergesangverein Concordia Bilshausen hat der gebürtige Russe Alexander „Sascha“ Richter auch den letzten seiner früheren Chöre verlassen. Zwischenzeitlich leitete er die Männergesangvereine aus Seeburg, Bilshausen, Fuhrbach und Hundeshagen sowie den Frauenchor in Fuhrbach gleichzeitig, auch in Rüdershausen war er aktiv. In früheren Jahren bekam er immer wieder neue Anfragen für Chorleitungen, die er aus Zeitgründen aber absagen musste. Zu den ersten Trennungen von seinen „Richter-Chören“ kam es im Jahr 2017 – meist wurden „gesundheitliche Gründe“ angegeben. Musik macht Richter, seit er neun ist. Damals zwang ihn seine Mutter, Knopfakkordeon zu erlernen. Aus dem Zwang wurde bald eine Leidenschaft: Er studierte das Fach, verdiente später sein Geld mit der Musik. Mit 33 Jahren kam er aus Moskau nach Deutschland, landete in Duderstadt. Er arbeitete in einer Musikschule in Leinefelde, veröffentlichte 2013 seine einzige CD „Tanzende Finger“. Richters Repertoire reicht von Klassik über Schlager und Volksmusik bis hin zu Abba und den Beatles.