Fatale Fehler-Folge

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Fatale Fehler-Folge

Nach Stromausfall: Rechner der kommunalen Datenverarbeitung steigen aus

Wegen eines umfassenden Systemausfalls bei den Kommunalen Diensten der Stadt Göttingen (KDG) sind verschiedene elektronische Dienste bei Verwaltungen in Städten, Landkreisen und kleineren Kommunen in der gesamten Region Südniedersachsen gestört oder ganz ausgefallen. Grund ist ein Stromausfall am späten Donnerstagnachmittag.

Das Unheil nahm seinen Lauf kurz nach Feierabend, erklärt Henning Schumann, Vizechef der KDG. Der halbstündige Stromausfall legte auch die EDV-Anlage des Unternehmens im Haus der Göttinger Stadtbibliothek lahm. Die sprang zwar schnell wieder an, aber das taten weder das zugehörige Klimagerät noch deren Ersatzanlage. Die Folge: Es wurde wärmer und wärmer – „deutlich über 50 Grad“, sagt Schumann. Nach und nach stiegen zentrale Komponenten der KDG-Anlage aus, die Rechner gaben das Rechnen auf.

Die Folgen waren immens: Bei praktisch allen KDG-Kunden waren Dienste nicht mehr aufrufbar, einzelne Kommunen nicht mehr erreichbar oder ganze Service-Bereiche fielen aus. In praktisch allen angeschlossenen Kommunen wurde das Einwohnermeldewesen lahmgelegt. Bei der Stadt Göttingen und beim Landkreis Göttingen mussten die Zulassungsstellen an allen Standorten – Göttingen, Hann. Münden und Duderstadt – am Montag geschlossen werden. Auch in den Bürgerbüros in Bovenden und Staufenberg waren weder Zulassungen noch Einwohnermeldevorgänge möglich. Auch andere Bereiche der Kreisverwaltung seien betroffen, teilt der Landkreis weiter mit. So fiel die Bußgeldstelle aus. Beim Amt für Soziales konnten keine Auskünfte zur Eingliederungshilfe und zur Hilfe für Pflege erteilt werden. Bei einigen Kommunen wie in Radolfshausen fiel der Internetauftritt komplett aus, selbst E-Mails wurden wie in Hardegsen nicht weitergeleitet.

Eigentlich war die KDG für einen Stromausfall gerüstet: Ein Satz von Notstrombatterien springt praktisch unterbrechungsfrei ein, erläutert KDG-Vizechef Schumann. Und falls die Klimaanlage defekt sein sollte, gibt es eine Zweitanlage, die dann die Kühlung der hitzeempfindlichen Rechner übernimmt.

Doch diesmal traf die KDG das Pech gleich dreifach: Bei der primären Klimaanlage war durch den Stromausfall eine Sicherung herausgeflogen, bei der Ersatzanlage war ein Temperaturfühler defekt, so dass dem Rechner Minusgrade vorgegaukelt wurden, obwohl die Temperatur schnell auf Werte weit oberhalb der zulässigen 30 Grad anstieg. Das dritte Malheur: Der Stromausfall am Donnerstag samt seiner Folgen ereignete sich ausgerechnet kurz nach Feierabend, so dass zunächst niemand die fatale Fehler-Folge bemerkte. Als der nächste Arbeitstag anbrach, waren die Server längst ausgestiegen. Schumann hofft nun, dass die KDG-Rechner schon am Dienstagmargen wieder einsatzbereit sind, Aber, so der KDG-Vizechef: „Eine Garantie dafür gibt es nicht.“ Das meint auch der Landkreis Göttingen: „Einschränkungen am Dienstag können nicht ausgeschlossen werden.“

 

Entnommen aus dem Eichsfelder Tageblatt vom 09.08.2016. Bericht Matthias Heinzel.

2016-08-09T06:15:33+00:00 Donnerstag, 11. August2016|0 Kommentare