Entlastung der Land-Ärzte

//Entlastung der Land-Ärzte
  • 35 Ärzte teilen sich die Notdienste im Kinderärztlichen Bereitschaftsdienst im Uniklinikum. Foto Hinzmann

Entlastung der Land-Ärzte

Zwischenbilanz: Kinderärztlicher Bereitschaftsdienst seit rund zwei Monaten im Uniklinikum

Seit dem 1. Juli gibt es für den Raum Göttingen/Südniedersachsen einen zentralen kinderärztlichen Bereitschaftsdienst im Göttinger Universitätsklinikum. Eine positive Zwischenbilanz hierzu ziehen die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen (KVN) und die beteiligten Ärzte.

„Der Aufwand hat sich gelohnt. Wir haben etwas geschaffen, was den Kindern der Region zugute kommt“, sagt Matthias Feindt, der selbst eine Kinderarztpraxis in Göttingen betreibt und Sprecher der südniedersächsischen Kinderärzte ist. „Die üblichen Anfangsquerelen waren weniger als erwartet“, sagt Feindt und spricht von einer guten Inanspruchnahme – gerade am Wochenende sei immer viel zu tun. Für die Patienten und ihre Eltern sei es unkomplizierter, weil die Frage danach, wann sie wohin müssten, einfacher zu beantworten sei. Die Anlaufstelle sei nun immer dieselbe. Angerufen werden müsse vorher auch nicht mehr, erklärt Feindt.

Gemeinsam mit 34 anderen Ärzten teilt der Arzt sich nun die kinderärztlichen Notdienste in der ersten Etage am Osteingang des Uniklinikums auf. Vor der Einrichtung dieser Kinder- und Jugendärztlichen Bereitschaftspraxis der KVN gab es keinen flächendeckenden Bereitschaftsdienst für Kinder und Jugendliche im Raum Göttingen/Südniedersachsen; die verschiedenen Kinderärzte standen den Patienten außerhalb der Praxisöffnungszeiten in unterschiedlichen Zeiträumen in ihren Praxen zur Verfügung.

Das hatte dazu geführt, dass gerade im ländlichen Raum die wenigen Ärzte viele Bereitschaftsdienste ableisten mussten. Dass es so nicht weitergehen könne, hatte die KVN entschieden: Einem Beschluss der Vereinigung zufolge musste der Bereitschaftsdienst bis Ende 2017 neu geregelt werden, wie es nun bereits der Fall ist. „Ziel war es, die Zahl der Bereitschaftsdienste gering zu halten“, sagt Harald Jeschonnek, Geschäftsführer der Göttinger KVN. „Der Bereitschaftsdienst im Uniklinikum wird gut angenommen und scheint auch bekannt zu sein“, sagt er. Sie hätten allerdings noch keine Zahlen dazu, wie viele Patienten woher kommen.

Gerade das war in den der Bereitschaftsstelle vorangegangenen Verhandlungen durch eine Bürgerinitiative aus Osterode stark kritisiert worden: die teilweise langen Anfahrtswege, beispielsweise aus Osterode. Ein Antrag der Initiative, sonnabends auch eine Bereitschaftsstelle im Altkreis Osterode einzurichten, wurde abgelehnt. Zwei Monate nach der Einrichtung des zentralen Notdienstes ist das Thema für die Bürgerinitiative aber erledigt: „Wir haben kaum Rückmeldungen von den Bürgern dazu und nichts Nachteiliges gehört“, sagt Bernd Hausmann, Sprecher der Initiative. Einige Bürger würden auf Alternativen ausweichen: So würden einige aus Bad Grund statt nach Göttingen nach Hildesheim fahren, Walkenrieder würden auf Nordhausen ausweichen. „Wir haben unsere Möglichkeiten ausgeschöpft“, erklärt Hausmann, für die Initiative sei das Thema damit erledigt.

„Die Alternative war gar kein kinderärztlicher Notdienst“, betont Feindt noch mal, warum nicht auf die Forderungen eingegangen werden konnte. Ein kinderärztlicher Bereitschaftsdienst sei eine freiwillige Leistung, die nur vier Landkreise in Niedersachsen anböten. Gäbe es keinen, müssten die jungen Patienten zum allgemeinmedizinischen Notdienst – und diese Option stehe denjenigen, denen die Anfahrt nach Göttingen zu weit sei, immer noch offen.

Während der kinderärztliche Notdienst für manche Patienten und ihre Eltern längere Anfahrten bedeutet, scheint er die Ärzte aus dem Landkreis wirklich zu entlasten. Jetzt würden die Ärzte jeweils maximal 12 Bereitschaftsdienste im Jahr ableisten dürfen, erzählt Feindt. „Die Kollegen im Landkreis werden dadurch erheblich entlastet“, sagt der Kinderarzt. Er selbst habe als Stadtarzt schon vorher nicht so viele Bereitschaftsdienste ableisten müssen.

 

Entnommen aus dem Eichsfelder Tageblatt vom 02.09.2017. Bericht Hannah Scheiwe. Foto Hinzmann.

2017-09-02T12:15:00+00:00 Dienstag, 5. September 2017|