Hummeln, Bienen und Schmetterlinge sind regelmäßige Besucher bei Rudolf Hillebrecht und Manfred Hirche. Die beiden Bilshäuser haben in Eigeninitiative rund einen Hektar an Blühwiesen angelegt. Mit kleinen Maßnahmen kann jeder der Natur helfen, erklären die beiden.

Direkt an die Gärten der beiden Naturfreunde grenzte in den vergangenen Jahren ein Feld. In diesem Jahr haben Hirche und Hillebrecht dem Landwirt einen Streifen von rund 2000 Quadratmetern abgekauft und daraus eine Blühwiese gemacht. „Wir haben eine Samenmischung mit dem Namen Honigbrache ausgesät“, erzählt Hirche. Die Mischung beinhalte 21 Samen mehrjähriger Pflanzen. Mit jeweils zehn Prozent sind Esparsette und Fenchel am stärksten vertreten. Aber auch unter anderem verschiedene Kleesorten, Wilde Möhre, echter Salbei sowie Sonnenblumenkerne, Pastinake und Margerite sind enthalten.

Blühende Sonnenblumen

Der Blühstreifen ist aber nicht das erste Projekt der beiden, die sich auch im Heimat- und Verkehrsverein (HVV) Bilshausen als Vorsitzende engagieren. „Im vergangenen Jahr haben wir bereits ein Sonnenblumenfeld angelegt“, erzählt Hillebrecht. Dort blühe es auf einer Fläche von rund 8500 Quadratmetern. Außer Sonnenblumen haben sich auch einige Disteln angesiedelt. „Das steht im farbenfrohen Gegensatz zu den Monokulturen, die im Umfeld zu sehen sind.“

Bereits im November 2017 pflanzte Hillebrecht 50 Obstbäume für eine Streuobstwiese mit einer Fläche von rund 5000 Quadratmetern. Dafür habe er 140 Leute aktivieren können. Geholfen haben auch die Kinder aus der Schule und dem Kindergarten. „Ich habe Hochstammbäume alter Obstsorten ausgewählt“, erzählt er. Das sei ihm wichtig gewesen. Heutzutage wolle sich niemand mehr bei der Obsternte anstrengen. „Die meisten Menschen scheinen am liebsten nicht mal mehr die Arme ausstrecken zu wollen, um die Früchte zu pflücken.“ Deshalb würden die hochstämmigen Obstsorten aussterben. Dagegen wollte er etwas unternehmen.

Im Garten neben der Streuobstwiese haben die meisten von Hirches Bienen ihre Heimat. Insgesamt 15 Völker besitzt er. Einige der Stöcke wurden aber auch auf der neuen Blühwiese aufgestellt. „Die Bienen fliegen im Durchschnitt rund 4,5 Kilometer weit“, erzählt er. Deshalb stamme sein Honig auf jeden Fall aus der Region. Der komme auch so, wie er von den Bienen produziert wird, ins Glas.

Zwei große Blühwiesen, eine Streuobstwiese, 15 Bienenvölker – das Engagement der beiden Bilshäuser für die Natur lässt sich auf jeden Fall als überdurchschnittlich beschreiben. „Das kann man nicht von jedem erwarten“, weiß auch Hirche. „Doch“, wirft Hillebrecht ein, „auch mit kleinen Maßnahmen kann man der Natur helfen.“ Einige Beispiele dieser Maßnahmen haben die HVV-Vorsitzenden ebenfalls umgesetzt.

Hilfe für die Natur

In den Bäumen im Bienengarten hängen Fledermauskästen. Es gibt Insektenhotels und Nisthilfen. „Man muss einfach Angebote schaffen“, erklärt Hillebrecht. Das können auch angehäufte Strauchschnitte in einer Gartenecke sein, die zum Beispiel Igeln als Unterschlupf dienen. „Wer Igel hat, hat keine Nacktschnecken“, erklärt er. „Wer Fledermäuse hat, hat keine Mücken.“ Auch könne jeder Tränken mit frischem Wasser für
Vögel und Insekten aufstellen. Die Schale sollte aber auch eine Ein- und Ausstiegsmöglichkeit wie einen Stein oder einen kleinen Stock besitzen. Wiesen sollten am besten mit einem Balkenmäher oder einer Sense gemäht werden, damit man die Stängel nicht zerstört. „Es gibt viele Möglichkeiten.“

Nachwuchs für Natur begeistern

Manfred Hirche und Rudolf Hillebrecht haben ihre Blüh- und Streuobstwiesen nicht allein für sich angelegt. Sie wollen auch Aufklärungsarbeit leisten. Kinder der Schule und des Kindergartens haben beim Anlegen der Streuobstwiese geholfen. Im Gegenzug hat das Duo bereits einige der Kinder zu einem Ausflug auf die Wiese eingeladen zu einer Art praktischer Naturkunde- und Biologieunterricht. Hirche erzählte unter anderem von seinen Bienen. Natürlich durften sie auch den Honig probieren. „Wir kamen mit dem Schmieren der Brote gar nicht hinterher“, erzählt er. „Wenn wir die Kinder für die Natur begeistern, ist das ein
wichtiger Schritt für die Zukunft.“ Bei seinem zehnjährigen Sohn hat es schon funktioniert. Der überraschte seinen Vater in diesem Jahr mit einem eigenen kleinen blühenden Beet neben dem Gewächshaus. „Und das ist etwas, das jeder machen kann“, fordert Hillebrecht zur Nachahmung auf.

 

Entnommen aus dem Eichsfelder Tageblatt vom 01.08.2019. Bericht und Foto Rüdiger Franke.