Infoveranstaltung in Bovenden: Netzbetreiber informieren über Planungsstand für Starkstromtrasse

Michael Roth beschwichtigt: Längst stehe noch nicht fest, dass die Höchstspannungsleitung Südlink tatsächlich auf einer westlichen Route durch den Landkreis Göttingen führt, erläutert Roth vom Südlink-Projektteam. Doch diese Variante der Trassenführung ist der Favorit der Netzbetreiber Transnet BW und Tennet, die die rund 700 Kilometer lange als Erdkabel geplante Stromtrasse zwischen Brunsbüttel und Baden-Württemberg planen und bauen wollen. Bei einer gut besuchten Infoveranstaltung im Bürgerhaus Bovenden hat das rund 20-köpfige Südlink-Projektteam über den aktuellen Planungsstand für den Landkreis Göttingen informiert.

Für die westliche Trassenvariante hätten gegenüber der östlichen Variante durch das Eichsfeld an Duderstadt vorbei nach Thüringen bei genauerer Prüfung, so Roth, weniger planerische „Knackpunkte“ gesprochen – dazu gehörten etwa Naturschutzgebiete, Artenschutz, bestehende Siedlung und mehr. Allein 150 verschiedene Kriterien seien bei den Trassenvarianten geprüft worden. Die Kosten der Ost-Variante liegen sechs Prozent über der westlichen. Die Planer beziffern die Gesamtkosten auf rund 10 Milliarden Euro. Der Freistaat Thüringen hatte gegen die Ost-Trasse Klage eingereicht.

Den Rosdorfer Landwirt Stefan Lott treiben wie viele seiner Kollegen ganz handfeste Sorgen um. Welche Auswirkungen hat eine mögliche Bodenerwärmung durch das Gleichstromkabel auf seine Ernte? Welche Fruchtfolgen sind mit der Starkstromleitung in seinen Äckern künftig noch möglich? Welche Auflagen für die Bewirtschaftung gibt es? Offen seien auch Fragen der Entschädigung, sagt Lott.

Keine Anbaubeschränkungen

Saskia Albrecht vom Südlink-Planungsteam erläutert: Durch den Gleichstrom werde sich die Bodenoberfläche weniger als ein Grad erwärmen. Anbaubeschränkungen gebe es zunächst ebenso wenig wie Vorgaben bei der Fruchtfolge. Entschädigungen bekämen Landwirte für den Bau und dadurch bedingte Ernteausfälle. Bovendens Gemeindebürgermeister Thomas Brandes (SPD) spricht sich gegen die von Tennet bevorzugte Trassenvariante aus. Auch wenn das Bovender Gemeindegebiet nur auf etwas mehr als fünf Kilometern Länge betroffen sei. Der 1000 Meter Planungskorridor würde zwischen Harste und Lenglern verlaufen. „Unser gesamter Bereich ist vorbelastet“, sagt Brandes und nennt die geplante Starkstromtrasse Wahle-Mecklar, Vorrangflächen für Windenergie im Trassenbreich sowie die bestehende ICE-Strecke und die Autobahn 7. Brandes verweist zudem auf die einstimmig gefasste Resolution des Gemeinderates gegen die Südlinktrasse auf Bovender Gebiet.

Auch Göttingens Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler (SPD) hatte bereits Anfang April betont, dass die geplante Südlink-Trasse nicht akzeptabel sei. „Wir sagen daher deutlich Nein zum Südlink durch Göttingen.“ Der SPD-Stadtverband hat sich ähnlich geäußert.

Einwendungen gegen Südlink müssen bis Freitag, 6. Juni, schriftlich an die Bundesnetzagentur, Referat 804, Postfach 8001, 53105 Bonn (Betreff: Vorhaben 3, Abschnitt C) oder per Mail an v3v4c@bnetza.deerfolgen. Die Planungsunterlagen sind noch bis zum 8. Mai bei der Bundesnetzagentur in Göttingen, Bertha-von-Suttner-Straße 1, einzusehen. Das letzte Wort hat dann die Bundesnetzagentur, die nach Abwägung aller Stellungnahmen eine Entscheidung über den konkreten Erdkabel-Korridor trifft, bevor das Genehmigungsverfahren mit der Planfeststellung endet.

Trassenvarianten prüfen

Roth betont, dass die Agentur alle möglichen Trassenvarianten prüfen wird. Während des Planfeststellungsverfahrens haben Bürger noch einmal die Möglichkeit, Hinweise in den Planungsprozess einzubringen. Tennet hofft, dass der Südlink 2025 in Betrieb geht.

Für Freitag, 21. Mai, plant die Gemeinde Bovenden mit den Ortsräten Emmenhausen, Harste und Lenglern eine Info-Veranstaltung zum Thema Südlink. Beginn ist um 19 Uhr im Landgasthaus Fricke in Lenglern.

 

Entnommen aus dem Eichsfelder Tageblatt vom 30.04.2019. Bericht Michael Brakemeier. Foto Richter.