„Es gilt generell die Empfehlung, unnötige Kontakte zu vermeiden“

Die Ferien neigen sich dem Ende zu – und damit auch die eine oder andere Urlaubsreise. Die Stadt Göttingen hatte zuletzt für Verwirrung gesorgt, als sie auf ihrer Homepage an alle Reisenden aus Stadt und Landkreis appellierte, sich 14 Tage nach Ankunft möglichst zu Hause aufzuhalten. Am Montag ruderte die Verwaltung dann zurück: Eine Pflicht zur Quarantäne bestehe selbstverständlich nur für Reiserückkehrer aus Risikogebieten, sagte Sprecher Dominik Kimyon. Ja was denn nun? Wir erklären, was Reiserückkehrer in Stadt und Landkreis Göttingen jetzt wissen müssen.

  • Was müssen Reiserückkehrer aus Risikogebieten beachten?
    Für Menschen, die von einer Auslandsreise aus einem Risikogebiet zurückkehren, gelten derzeit strenge Auflagen. Wer auf dem Land-, See- oder Luftweg aus dem Ausland in die Bundesrepublik Deutschland einreist und sich innerhalb von 14 Tagen vor der Einreise in einem Risikogebiet aufgehalten hat, ist verpflichtet, sich unverzüglich nach der Einreise auf direktem Weg in Quarantäne zu begeben. Ein Risikogebiet ist ein Staat oder eine Region außerhalb Deutschlands, für den oder die zum Zeitpunkt der Einreise in die Bundesrepublik Deutschland ein erhöhtes Risiko für eine Infektion mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 besteht. Eine Übersicht über die Risikogebiete bietet das Robert Koch-Institut.
  • Für wen besteht eine Testpflicht?
    Wer sich innerhalb von 14 Tagen vor der Einreise in die Bundesrepublik Deutschland in einem Risikogebiet aufgehalten hat, ist seit Sonnabend, 8. August, verpflichtet, einen Test auf das Coronavirus SARS-CoV-2 durchführen zu lassen. Einreisende aus Risikogebieten sollten sich – soweit dies möglich ist – am Flughafen und an den Häfen testen lassen. Bis zur Übermittlung des Testergebnisses an das Gesundheitsamt von Stadt und Landkreis Göttingen und gegebenenfalls einer Aufhebung der Quarantäne durch das Gesundheitsamt müssen sie in Quarantäne bleiben.
  • Gibt es Ausnahmen?
    Für bestimmte Personengruppen gelten Ausnahmen von der Quarantäne- und der Testpflicht nach landesrechtlichen Regelungen. Dazu gehören unter anderem Personen, die nur zur Durchreise in die Bundesrepublik Deutschland einreisen. Ein negatives Testergebnis kann nach landesrechtlichen Regelungen zur Aufhebung der Quarantäne führen.
  • Wo können sich Bürger aus Stadt und Landkreis Göttingen testen lassen?
    Reiserückkehrer, egal ob sie aus einem Risikogebiet kommen oder nicht, können sich seit Neuestem ihre Termine für den Corona-Test beim Testzentrum der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen in Göttingen selbst online buchen unter www.kvn.de/coronatest.html und brauchen dafür keinen Kontakt zum Haus-/Kinderarzt aufzunehmen. Ohne vorher einen Termin gebucht zu haben, darf niemand das Testzentrum aufsuchen. Die Stadt Göttingen weist auf ihrer Internetseite darauf hin, dass man aber auch weiterhin Kontakt zum Hausarzt aufnehmen oder die Hotline der ärztlichen Terminservicestelle unter der Rufnummer 116 117 wählen kann.
  • Ist der Test kostenlos?
    Innerhalb von 72 Stunden nach Einreise ist der Test kostenlos (auch unabhängig von der Einreise aus einem Risikoland). Falls das Testergebnis bei Einreise mitgeführt wird, darf es bei Einreise maximal 48 Stunden alt sein. Die Testbescheinigung muss auf Deutsch oder Englisch verfasst sein. Um einen kostenlosen Test zu bekommen, muss man nachweisen, dass man im Ausland war. Dies kann zum Beispiel durch einen Boarding-Pass, ein Ticket, eine Hotelrechnung oder einen sonstigen Nachweis geschehen.
  • Wer zahlt die Tests?
    Die Kosten für die Tests übernimmt der Bund über den erhöhten Zuschuss zur Krankenversicherung. Wird ein Test durch den öffentlichen Gesundheitsdienst der Länder vorgenommen, tragen die Länder einen Teil der Kosten selbst.
  • Wieso sind die Tests bei Reiserrückkehrern kostenfrei – Reisen sind doch Privatvergnügen?
    In vielen Ländern sind die Infektionszahlen höher und damit auch das Risiko einer Infektion mit SARS-CoV-2 größer als in Deutschland, so das Gesundheitsministerium. „Durch die frühzeitige Testung nach Rückkehr kann das Risiko einer unentdeckten Infektion mit ungewollter Ansteckung weiterer Menschen verringert werden. Hierdurch können potenziell erhebliche Folgekosten vermieden werden. Nicht zu testen, wäre somit möglicherweise teurer.“
  • Was ist bei dem Abstrich im Testzentrum zu beachten?
    Jeder muss während des Termins im Testzentrum eine Mund-Nasen-Bedeckung tragen und diese nur auf Aufforderung für die Durchführung des Abstrichs ablegen. Eine Krankenversichertenkarte muss zum Termin mitgebracht werden. Außerdem weist die KVN darauf hin, zu dem Termin keine weiteren Personen für einen Abstrich mitzubringen, die keinen eigenen Termin vereinbart haben.
  • Besteht neben der Testpflicht auch eine Meldepflicht für Reiserückkehrer aus Risikogebieten?
    Ja. Jeder nach Göttingen (Stadt oder Landkreis) aus einem Risikogebiet Zurückkehrende und Einreisende sollte sich beim Gesundheitsamt über den online ausfüllbaren Meldebogen melden und die Aufenthaltsadresse angeben. Falls im Flugzeug, Schiff, Bus oder Zug bei der Einreise aus einem Risikogebiet Aussteigekarten verteilt wurden, sind diese leserlich auszufüllen und beim Transportunternehmen abzugeben. Der Meldebogen ist auf der Internetseite der Stadt unter www.goettingen.de erhältlich.
  • An wen können sich Reiserückkehrer aus Risikogebieten aus Stadt und Landkreis Göttingen bei Fragen wenden?
    Um eine zügige Bearbeitung der Meldungen zu gewährleisten, können Bürger, die aus einem Risikogebiet einreisen oder zurückkehren, sich telefonisch unter 05 51/ 4 00 48 02, per E-Mail an gesundheitsamt@goettingen.de oder über den Meldebogen (siehe oben) beim Gesundheitsamt für die Stadt und den Landkreis Göttingen melden. Bei Rückfragen werden sich Mitarbeiter des zuständigen Gesundheitsamtes für die Stadt und den Landkreis Göttingen telefonisch bei den Rückreisenden melden, so die Verwaltung.
  • Müssen Einreisende aus Risikogebieten einen Test oder zwei Tests machen?
    Ein negatives Testergebnis kann laut Gesundheitsministerium immer nur eine Momentaufnahme darstellen. Deshalb ist fünf bis sieben Tage nach dem Test eine Wiederholungstestung sinnvoll. Angeordnet werden kann ein Wiederholungstest im Einzelfall von den zuständigen Gesundheitsämtern.
  • Welche Konsequenzen hat ein positives Testergebnis?
    Ein positives Testergebnis führt dazu, dass die betroffene Person sich für 14 Tage in Quarantäne begeben muss.
  • Welche Konsequenzen hat ein negatives Testergebnis?
    Ein negatives Testergebnis führt dazu, dass keine häusliche Quarantäne mehr erforderlich ist. Egal wie das Testergebnis ausfällt: Treten innerhalb von 14 Tagen nach Einreise aus einem Risikogebiet typische Covid-19-Symptome (Atemnot, neu auftretender Husten, Fieber oder Geruchs- oder Geschmacksverlust) auf, muss umgehend das zuständige Gesundheitsamt informiert werden, erklärt das Gesundheitsministerium. Unklare Symptome sollten – auch wenn der Test negativ war – unverzüglich mit einem Arzt abgeklärt werden.
  • Wie erfährt das Gesundheitsamt, dass jemand positiv getestet wurde und in Quarantäne muss?
    Für Tests, die in Deutschland durchgeführt werden, besteht eine sogenannte Labormeldepflicht. Das heißt: Die Labore müssen positive Testergebnisse dem zuständigen Gesundheitsamt melden.
  • Wie erfährt das Gesundheitsamt von einem negativen Testergebnis?
    Negative Testergebnisse werden nicht von den Laboren an die Gesundheitsämter gemeldet. Ein negatives Testergebnis müssen Reisende, die aus einem Risikogebiet kommen, daher selbst mit der vom Arzt oder einer anderen Stelle ausgestellten Testbescheinigung auf Anforderung gegenüber dem Gesundheitsamt nachweisen. Was die Testzentren anbelangt, erfahre der Getestete vor Ort, wie er ein negatives Ergebnis übermittelt bekommt, sagt die KVN. Es sei geplant, allen negativ Getesteten künftig ihr Ergebnis per QR-Code zu übermitteln. Funktioniert dies nicht, würden die negativ Getesteten per Brief von der KVN informiert.
  • Gelten die Regelungen und Pflichten für Reiserückkehrer auch für Lehrer und Schüler?
    Diese gesetzlichen Verpflichtungen gelten auch für Schüler und Lehrer, die jetzt aus einem Risikogebiet zurückkehren, sagt Göttingens Verwaltungssprecher Kimyon. Auch wenn sie dann wegen der Quarantäne eventuell den Schulbeginn am 27. August verpassen.
  • Was passiert, wenn man der Testpflicht nicht nachkommt?
    Es sind nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums keine Zwangstests geplant. Wer jedoch als Einreisender aus einem Risikogebiet innerhalb von 14 Tagen nach Rückkehr aus einem Risikogebiet auf Anforderung keinen Test duldet, muss mit einer Geldbuße rechnen. Generell gilt: Bei Verstoß gegen die oben genannten Pflichten zur Meldung und Duldung einer Testung oder häuslichen Quarantäne können durch die zuständigen Behörden vor Ort hohe Bußgelder verhängt werden.
  • Bekommt man als Reiserückkehrer aus einem Risikogebiet weiter Gehalt, wenn man sich in Quarantäne begeben muss?
    Muss ein Arbeitnehmer in die häusliche Quarantäne, weil dieser seinen Urlaub in einem Risikogebiet verbracht hat, dann ist er dafür selbst verantwortlich. Er darf dann nach den Einreise-Quarantäne-Verordnungen der Bundesländer 14 Tage nach seiner Rückkehr nicht in seinem Betrieb arbeiten und bekommt auch kein Geld von seinem Arbeitgeber. Etwas anderes gilt, wenn der Arbeitnehmer während der Quarantäne im Homeoffice arbeiten kann oder ein Attest vorlegt, dass er nicht infiziert ist.
  • Was müssen Reiserückkehrer beachten, die zwar im Ausland waren, sich aber nicht in einem Risikogebiet aufgehalten haben?
    Das Gesundheitsamt von Stadt und Landkreis Göttingen empfiehlt Reiserückkehrern, umsichtig vorzugehen, auch wenn sie sich nicht in einem Risikogebiet aufgehalten haben. „Es gilt generell die Empfehlung, beispielsweise unnötige Kontakte zu vermeiden, denn einige Reisegebiete werden erst zu Risikogebieten ausgerufen, wenn die Infektionszahlen bereits erhöht sind – die Möglichkeit zur Ansteckung besteht aber bereits früher“, so Verwaltungssprecher Kimyon. Eine Pflicht, sich in Quarantäne zu begeben, besteht aber nicht.
  • An wen können sich Bürger aus Stadt und Landkreis Göttingen bei allgemeinen Fragen zum Coronavirus wenden?
    Für allgemeine Fragen ist das Gesundheitsamt für Stadt und Landkreis Göttingen unter der Nummer 0551/ 400-4802 erreichbar. Die Hotline ist montags bis freitags von 9 bis 17 Uhr sowie sonnabends und sonntags von 11 bis 17 Uhr erreichbar (außerhalb dieser Zeiten wird um eine Mail an gesundheitsamt@goettingen.de gebeten). Wer ärztlichen Rat benötigt, sollte sich an seinen Hausarzt wenden. Am Abend und am Wochenende ist der ärztliche Bereitschaftsdienst unter der Nummer 116 117 erreichbar.

 

Entnommen aus dem Eichsfelder Tageblatt vom 20.08.2020. Bericht Andreas Fuhrmann.