Abstriche am Autofenster: Praxis Lodhia richtet offizielles Corona-Testzentrum ein

Die Hausarztpraxis von Dr. Karen Lodhia in Bilshausen ist seit Montag als offizielles Corona-Testzentrum aktiv. Das Team hat vor der Praxis eine mobile Drive-in-Teststation eingerichtet. An den ersten beiden Tagen haben acht Patienten die Einrichtung genutzt.

Die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen habe gefragt, wer bei der Bewältigung der Corona-Krise mehr machen möchte, erzählt Praxismanager Navid Lodhia, warum gerade die Bilshäuser Praxis sich entschlossen habe, ein Testzentrum zu werden. „Zwischen Herzberg und Göttingen sind wir die einzige Praxis. Wir haben uns aus zwei Gründen gemeldet.“ Zum einen wenden sich Patienten idealerweise an die Adresse, zu der sie ein besonderes Verhältnis haben – ihre Hausärztin. „Es gibt viele Fragen auch im Nachgang zu klären und es geht dabei auch darum, den Patienten die Ängste zu nehmen.“ Denn es gebe nicht nur die Reiserückkehrer, sondern auch Patienten, die sich die Frage stellen, ob ihre Symptome mit Covid 19 zusammenhängen.

Kein Betreten der Praxis notwendig

Der zweite Grund sei, dass vor der Praxis eine Drive-in-Lösung eingerichtet werden konnte. „Potenziell Erkrankte müssen nicht einmal unsere Praxisräume betreten.“ Die Helferinnen entnehmen den Abstrich an der frischen Luft. „Sie halten nur das Stäbchen rein“, sagt Navid Lodhia. Dafür seien sie von der Kassenärztlichen Vereinigung mit Schutzausrüstung ausgestattet worden. „Das Risiko für uns ist absolut minimal.“ Im Gesundheitswesen sei man jeden Tag einem erhöhten Risiko ausgesetzt. „Covid 19 hat die Problematik wie durch ein Brennglas nur noch einmal verstärkt.“

Das Team von Dr. Karen Lodhia, die außer in Bilshausen auch in Gillersheim eine Hausarztpraxis betreibt, ist komplett geschult für die neue Aufgabe. Alle Mitarbeiterinnen, auch die aus Gillersheim, können in Bilshausen im Testzentrum eingesetzt werden. „Wir sind seit März im Thema“, erzählt Navid Lodhia und meint damit die Weiterbildung der Pandemiebekämpfung. Kürzlich seien sie in die Akademie der Ethik in der Medizin aufgenommen worden. Die Weiterbildung sei wichtig. „Was machen wir im Herbst, wenn es nicht mehr um die Reiserückkehrer geht, sondern um die Erkältungszeit? Bis dahin brauchen wir eine Lösung.“

Die Entwicklung der Pandemie in Deutschland sei sehr wechselhaft gewesen, so der Praxismanager. „Erst hieß es, wir haben zu viele, dann hatten wir es im Griff, danach, wir hätten das Gröbste überstanden und jetzt steigen die Zahlen wieder. Wir haben Corona nicht in den Griff bekommen.“ Insgesamt habe es nur eine Zeit von vier ruhigen Wochen gegeben. Das Bilshäuser Team lasse sich auf diese Achterbahnfahrt nicht ein, sondern gehe relativ nüchtern davon aus, „dass Corona uns bis mindestens Mitte nächsten Jahres beschäftigt“. Denn selbst ein Impfstoff werde das Problem nicht auf einen Schlag lösen. Zum einen werde er auf der ganzen Welt gleichzeitig benötigt. Und dann bleibe noch die Frage der Wirksamkeit. „Ein guter Grippeimpfstoff erreicht eine Wirksamkeit von 70 Prozent“, so Navid Lodhia. „Wenn der Impfstoff für Corona 50 bis 60 Prozent erreicht, ist er gut.“ Denn im Gegensatz zur Grippe fehle noch die Erfahrung. „Wir sind für die Gesundheitsversorgung von 5000 bis 6000 Menschen zuständig“, sagt der Praxismanager. „Wir möchten uns nicht vorwerfen lassen, dass nur weil uns keine gute Lösung eingefallen ist, eine Covid-19-Erkrankung nicht rechtzeitig erkannt worden sei.“ Es gehe im Testzentrum eben nicht nur um Abstriche, sondern auch um eine Adresse, an der die Patienten aufgefangen werden. Es gehe auch nicht darum, den Patienten etwas vorzuschreiben, sondern um Transparenz und darum, Angebote zu schaffen. „Und deshalb ist es auch nicht allein interessant, warum Frau Doktor das macht, sondern warum das Team das macht.“

 

Entnommen aus dem Eichsfelder Tageblatt vom 13.08.2020. Bericht Rüdiger Franke. Foto R / ET.