Bilshausen: „Mordsentwicklung“ seit 1945

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  • Bilshausens Ortsheimatpfleger Hans-Reinhard Fricke (rechts) und Josef Lambertz im Umfeld der Rhume-Mühle. Foto: Bänsch

Bilshausen: „Mordsentwicklung“ seit 1945

Neuer Ortsheimatpfleger Hans-Reinhard Fricke will Geschichtsbewusstsein fördern / Historische Rundgänge und Häuserbuch geplant

Der Aufbau eines Gemeindearchivs und das Gestalten von historischen Ortsrundgängen sind Ziele, die sich Bilshausens neuer Ortsheimatpfleger Hans-Reinhard Fricke gesteckt hat. Mittelfristig möchte er ein Häuserbuch erstellen. „Das Sammeln von Dokumenten zur Ortsgeschichte, das Ordnen und Katalogisieren“, beschreibt er seine Aufgaben. Ziel sei, „das Wissen, was da ist, zu dokumentieren, festzuhalten und zu bewahren“. In den von ihm geplanten Aufbau eines historischen Gemeindearchivs möchte er in Kooperation mit der örtlichen Geschichtswerkstatt seine Kenntnisse als Archivar einbringen. Gesammelt werden sollen in dem Archiv Berichte, Erzählungen, Dokumente, Fotos, Zeitungsausschnitte und mehr.

2012 hatte Fricke als freiberuflicher Historiker auf Honorarbasis damit begonnen, die Arbeiten am zweiten Teil der Bilshäuser Ortschronik fortzusetzen, die Ende vergangenen Jahres der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Archivrecherchen und das Schreiben seien seine Aufgaben gewesen. Für die Recherchen sei er unter anderem im Kreisarchiv in Göttingen, im niedersächsischen Landesarchiv in Hannover, in der Außenstelle des Landesarchivs Sachsen-Anhalt in Wernigerode und im Bistumsarchiv in Hildesheim gewesen. Bei den Recherchen vor Ort habe ihm die Geschichtswerkstatt geholfen, die 2012 gegründet worden sei. „Die Leser interessieren sich besonders für die jüngere Zeit“, berichtet Josef Lambertz, der Ansprechpartner für die Belange des Ortsheimatpflegers vor Ort ist.

Zu den aktuellen Vorhaben von Fricke, der 1953 in Hannover geboren wurde, gehört die Planung von zwei geschichtlichen Rundgängen durch den Rhumeort. Sie sollen zu Stationen führen, an denen Ortsgeschichte noch nachvollziehbar und sichtbar sei. „Wir haben in der Geschichtswerkstatt festgestellt, dass wir aufgrund der Arbeiten für die Ortschronik sowohl thematisch als auch bildmäßig ganz gut dastehen“, betonte Fricke. Die Zahl der potenziellen Stationen sei von den ursprünglich angedachten zehn auf 31 gestiegen. „Es gibt in Bilshausen eine Menge zu gucken, zu zeigen und zu sagen“, meint der neue Ortsheimatpfleger. Die Stationen sollen in zwei Rundwege aufgeteilt werden – einer werde mit 25 Stationen den inneren Orts­bereich umrunden. Die Auswahl erfolge gemeinsam mit der Geschichtswerkstatt.

Als Startpunkt hält Fricke die Mühle für sinnvoll. Dort könnten eine allgemeine Informationstafel aufgestellt und ein Flyer angeboten werden, der die Orientierung erleichtere. „Was wir mit neuen ­Medien machen, müssen wir uns noch überlegen“, deutete Fricke an. Der zweite Rundgang umfasse den Bereich Osterberg und soll unter anderem zu den dortigen ­Kellerlöchern führen. Die Grundidee sei, die Stationen mit Tafeln zu beschildern, die einen knappen Text und ein bis zwei historische Fotos beinhalten, auf denen „das zu sehen ist, was man heute nicht mehr sieht“.

Ziel: Jüngere Menschen für Geschichte begeistern

„Meine Aufgabe ist die Auswahl der Standorte und das Gestalten der Texte“, erklärt der neue Ortsheimatpfleger. Bei den historischen Bildern könne auf das Archiv des früheren Ortsheimatpflegers Klaus Freiberg zurückgegriffen werden. „Der Rundgang bietet die Möglichkeit, auch jüngere Menschen für Geschichte zu begeistern“, betont Fricke. Er denkt dabei an Schulen und Kindergärten.

„Perspektivisches Projekt“ sei ein Bilshäuser Häuserbuch. Es soll eine Dokumentation zur Geschichte, zu den Besitzern und Bewohnern der älteren Häuser im Ortskern beinhalten. Vermittelt werden solle, wer dort gewohnt habe, wie die Gebäude benutzt worden seien und ausgesehen haben. Quellen seien unter anderem Feuerversicherungskataster und Aufzeichnungen der Häuser- und Gebäudesteuer. „Es wird ein paar Jahre dauern, bis es fertig ist“, vermutet Fricke, der in Duderstadt als Stadtarchivar arbeitet und dort bereits Mitte der 80er-Jahre erste Projekte realisiert hat.

Bilshausen sei für einen Ortsheimatpfleger „spannend“ durch die „Mordsentwicklung“, die der Ort nach 1945 genommen habe – und den gewaltigen Zuwachs an Einwohnern. Fricke: „Die Geschichte ist an vielen Stellen greifbar.“

 

Entnommen aus dem Eichsfelder Tageblatt vom 13.01.2018. Bericht Axel Artmann. Foto Bänsch.

Dienstag, 16. Januar 2018|