Leo Engelhardt präsentiert auf Einladung der Geschichtswerkstatt neues Ortsfamilienbuch

Die Mitglieder der Geschichtswerkstatt Bilshausen haben am Dienstag ein Ortsfamilienbuch für Bilshausen vorgestellt. Autor Leo Engelhardt aus Nordhorn hat dafür die Bilshäuser Kirchenbücher ausgewertet.

Leo Engelhardt ist ein gebürtiger Eichsfelder. Sein Heimatort ist Nesselröden. Dort hat er 2007 mit den Arbeiten an seinem ersten Ortsfamilienbuch begonnen. Ein Jahr später wurde es veröffentlicht. „Dabei habe ich viele Verbindungen nach Immingerode entdeckt“, erzählte er. Und so stand sein nächstes Projekt fest. Auf Anfrage erstellte er ein weiteres Buch für Seulingen. Mittlerweile hat er auch die Familiengeschichten für die Orte Desingerode, Esplingerode, Werxhausen, Germershausen, Bernshausen und Wollbrandshausen aufgearbeitet.

„Als Leo Engelhardt die Idee äußerte, ein Familienbuch für Bilshausen zu erstellen, habe ich erstmal innerlich jubiliert“, berichtete Reinhard Fricke, Ortsheimatpfleger des Dorfes, „denn die Arbeit, die er gemacht hat, hätte ich nicht machen können und wahrscheinlich auch nicht machen wollen.“ Er selber habe in den Kirchenbüchern bislang nur nach speziellen Themen geschaut: „Welche Berufe hatten die Menschen im 18. Jahrhundert? Wann sind besonders viele Menschen gestorben?“ Jetzt aber liege ein Werk mit 800 Seiten vor. Wer Familienforschung betreiben wolle, könne das jetzt ohne großen Aufwand betreiben.

Verwandschaft nachweisen

„Ich wollte in Bilshausen nachweisen, dass ich mit den Engelhardts im Dorf verwandt bin“, erklärte der Autor, warum er mit den Arbeiten am Buch begonnen habe. „Und ich war mir sicher, dass das klappt.“ Habe es am Ende aber nicht, wie er erzählte. Trotzdem habe ihm die Arbeit viel Spaß bereitet, auch wenn sie manchmal recht mühsam gewesen sei. Denn die frühen Kirchenbücher sind nicht nur handschriftlich, sondern auch in lateinischer Sprache verfasst. „Aber da fuchst man sich rein“, sagte er. Und dass er Lateinlehrer war, habe die Aufgabe einfacher gemacht.

Für die rund 70 Besucher der Buchpräsentation schlüpft Engelhardt dann wieder in seine Lehrerrolle und funktioniert einige Ausschnitte aus den Büchern in eine kleine Prüfung um. „Sacramenti tantum absolutione – welches Sakrament hat der Sterbende also erhalten“, fragt er in die Runde. „Richtig, die Beichte mit der Absolution.“

Auch Grammatik ist ein Thema. „Christophoro ist der Ablativ von Christophorus, das ist ein besonderer lateinischer Fall.“ Doch nicht nur die Sprache und die Schrift erschweren die Arbeit, manche Buchstaben verschwinden bei den gescannten Seiten einfach im Knick. „Ab dem 19. Jahrhundert wird es einfacher“, ergänzt Fricke. Ab dann seien die Kirchenbücher in deutscher Sprache geschrieben.

Aufzeichnungen beginnen im Jahr 1767

Die Aufzeichnungen in den Bilshäuser Kirchenbüchern beginnen mit dem Jahr 1767. Engelhardt hat die Taufen bis ins Jahr 1900 verarbeitet. „Da bin ich dann auf den Datenschutz gestoßen“, erklärt er. Er habe vom Bistum Hildesheim eben aus Gründen des Datenschutzes nur die Erlaubnis erhalten, die Daten der Taufen bis vor 120 Jahren zu veröffentlichen. Für Hochzeiten gelte eine Sperrfrist von 80 Jahren und für Beerdigungen von 60 Jahren. Engelhardt versprach aber Hilfe, wenn jemandem die Suche nach seinen Vorfahren nicht gelinge.

Bei seinen Arbeiten fand Engelhardt keine sehr große Vielfalt an Namen im Ort vor. Allerdings gebe es von den einzelnen Namen durchaus mehrere unterschiedliche Schreibweisen. Das komme daher, dass es von unterschiedlichen Pfarrern geschrieben worden sei. Und die hätten es so notiert, wie sie es verstanden hätten. Erst 1875 habe es einen Erlass gegeben, durch den einheitliche Schreibweisen verpflichtend wurden.

Das Ortsfamilienbuch Bilshausen kann beim Autor Leo Engelhardt, Zum Wasserwerk 14 in 48531 Nordhorn, bestellt werden. Der Autor ist erreichbar per Mail an leo.engelhardt@gmx.de sowie per Telefon unter 05921/ 35356.

 

Ein Nesselröder und seine Beziehung zu Bilshausen

Leo Engelhardt ist 1941 in Nesselröden geboren und auf einem Bauernhof aufgewachsen. 1961 machte er sein Abitur in Duderstadt. Danach studierte er Latein, Sport und Griechisch und trat 1967 ein Referendariat in Celle an. Zwei Jahre später nahm er eine Stelle als Lehrer in Nordhorn an. In der Stadt unterrichtete auch seine Frau, die katholische Religion studiert hatte, 30 Schüler in der sonst evangelischen Region. In Bilshausen war Leo Engelhardt nach eigenen Angaben vor seinen Nachforschungen in der Familienhistorie der Engelhardts dreimal gewesen. Das erste Mal hat er als Schiedsrichter ein Jugendspiel geleitet. Dann hat er einen Turnlehrgang besucht und beim dritten Mal mit der zweiten Mannschaft aus Nesselröden dort Fußball gespielt. Mit Beginn seiner Nachforschungen besuchte er Werner Wüstefeld, dessen Mutter eine Cousine seines Vaters gewesen sei. Mit der Präsentation schloss sich nun der Kreis der Besuche.

 

Entnommen aus dem Eichsfelder Tageblatt vom 10.10.2019. Bericht und Foto Rüdiger Franke.