Storchenbeauftragter Georg Fiedler erfasst Nachwuchs in fünf Orten / Premiere in Rollshausen, Bilshausen und Esplingerode

Georg Fiedler hat am Mittwoch in fünf Eichsfelddörfern 13 junge Störche beringt. „Das Brutergebnis ist gut in diesem Jahr“, erklärt der Storchenbeauftragte. Das gelte besonders für die drei Orte, in denen es zum ersten Mal Nachwuchs gab – wie bei Caesar und Kleopatra.

Der Legende nach bringt der Storch die Kinder. Momentan müssen sich die Störche im Eichsfeld aber erst einmal um ihren eigenen Nachwuchs kümmern. Wie viele Jungstörche es in diesem Jahr gibt, kann Fiedler noch nicht abschließend sagen. „Das Endergebnis werde ich voraussichtlich Mitte Juli haben“, sagt er. Zu den Nestern, in denen er die jungen Störche beringt hat, hat er genaue Angaben. Aber in Westerode und in Wollershausen seien die Tiere schon zu groß gewesen, um sie zu beringen. „Dann verzichten wir auf das Beringen, weil sonst die Gefahr besteht, dass die Tiere bei der Annäherung abspringen,obwohl sie noch nicht richtig fliegen können.“

Beringt hat Fiedler die Störche in fünf Dörfern. In Rollshausen, Bilshausen und Esplingerode seien jeweils drei Junge ausgebrütet worden, in Seulingen und Obernfeld waren es jeweils zwei. In den meisten Orten hatten sie Nisthilfen. „In Esplingerode haben die Störche ihr Nest jedoch spontan innerörtlich auf einer Linde gebaut“, erzählt Fiedler. Im vergangenen Jahr habe es bereits erste Anfänge des Nestbaus gegeben, jetzt hätten sie schon erfolgreich gebrütet.

Beachtlicher Ersterfolg

„Es ist beachtlich, dass die Paare, die zum ersten Mal gebrütet haben, drei Junge haben“, sagt Fiedler mit Blick auf Rollshausen, Bilshausen und Esplingerode. Meist sei der Bruterfolg bei der Premiere niedriger, weil die Reife der Vögel noch nicht darauf ausgelegt sei. Das beziehe sich nicht nur auf die Reife zum Befruchten, sondern auch die Reife, die Jungen zu versorgen. „Sie müssen die brutpflegerischen Vorgänge erst entwickeln.“ Dazu zählen außer der Ernährung auch das Abhalten von Regen sowie das Schattenspenden. In Rollshausen gebe es zumindest ein Weibchen mit Bruterfahrung, das in den vergangenen Jahren in Obernfeld lebte und mittlerweile neun Jahre alt sei.

In Bilshausen aber sei das Weibchen erst zwei Jahre alt, so Fiedler. Es stammt aus dem thüringischen Barchfeld an der Werra, südlich von Eisenach. Überhaupt gebe es einen regen Austausch der Populationen von Göttingen bis nach Thüringen. Auch einer der Bernshäuser Störche kommt aus Thüringen. Andersherum berichtet Fiedler von einer Mail, in dem ihm mitgeteilt wurde, dass ein Storch in Mülverstedt südlich von Mühlhausen 2018 in Wes-terode beringt wurde. „Die Brutauffrischung durch Zu- und Fortsiedeln ist wichtig“, erklärt der Storchenbeauftragte.

Arbeit im Hubsteiger

Der Storchenbeauftragte war am Mittwoch wieder mit dem Seulinger Lars Denecke unterwegs, der ihn mit dem Hubsteiger zu den Nestern anhob. „Als wir den Korb des Hubsteigers eingefahren haben, hat einer der Altvögel schon wieder gefüttert“, erzählte Fiedler von der Beringung in Rollshausen. Das sei ein gutes Zeichen.

Groß war die Freude auch bei Adelheid Strüber in Bilshausen. Sie hatte den Bau einer Nisthilfe initiiert. Nachdem die Idee 2018 umgesetzt wurde, musste sie nur zwei Jahre warten, bis Familie Adebar einzog. „Caesar kam zu Ostern, Kleopatra zwei Tage später. Das hat mich sehr glücklich gemacht.“ Sie gab ihren Störchen dann auch gleich die Namen und schrieb eine kleine plattdeutsche Geschichte dazu. Vom Nachwuchs habe sie zunächst nur zwei gesehen. „Erst Mitte vergangener Woche haben wird den dritten entdeckt.“

 

Entnommen aus dem Eichsfelder Tageblatt vom 19.06.2020. Bericht Rüdiger Franke und Yasmin Dreessen. Foto Hinzmann.