Europaweit einheitliche Rufnummer nun auch in Niedersachsen freigeschaltet

Unter der Servicenummer 11 61 17 können Patienten aus Niedersachsen seit Donnerstag Arzttermine vereinbaren. Zudem werden ihnen dort – wie bisher – Bereitsschaftsärzte vermittelt.

Monatelange Wartezeiten auf einen Facharzttermin soll es in Deutschland nicht mehr geben. Das will Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) mit dem Terminservice- und Versorgungsgesetz durchsetzen, das seit Mai des vergangenen Jahres in Kraft ist. Es sieht unter der sechsstelligen Rufnummer 11 61 17 eine Terminvergabe vor, sodass Patienten innerhalb von vier Wochen zum Arzt gehen können. Bei einigen Fachärzten ist dazu eine Überweisung des Hausarztes notwendig, der die Dringlichkeit bestätigt.

Anrufer aus den Landkreisen Göttingen und Northeim, die die Nummer bisher wählten, landeten bei integrierten Leitstellen. Sie vermittelten Ärzte des kassenärztlichen Bereitschaftsdienstes und nahmen zudem die Anrufe an, die unter der Rettungsdienstnummer 112 eingingen. Diese Kooperationen hat die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen (KVN) kündigen müssen.

„Wir haben uns aus Kostengründen gegen den Aufbau einer eigenen Leitstelle für ganz Niedersachsen entschieden“, berichtet KVN-Sprecher Detlef Haske. Andere Bundesländer – etwa Bayern – hätten dagegen zu diesem Zweck bis zu 60 neue Mitarbeiter eingestellt. Auf die europaweite Ausschreibung der KVN hätten sich unter anderem die Johanniter und das Deutsche Rote Kreuz beworben. Den Zuschlag habe am Ende des mehrmonatigen Verfahrens der Duisburger Telefonanbieter Sanvartis erhalten, der „bereits seit Jahren“ für die KVN eine Servicestelle für Arztterminvergaben betreibe. Das 1990 gegründete Telemedizin-Unternehmen beschäftigt nach eigenen Angaben mehr als 500 Mitarbeiter.

„Unter der Nummer 11 61 17 erhalten Anrufer einen Termin bei einem Haus- oder Facharzt, den sie dann in der jeweiligen Praxis noch einmal telefonisch bestätigen müssen“, führt Haske aus. Neu sei die medizinische Ersteinschätzung, die die entsprechend ausgebildeten Sanvartis-Mitarbeiter nun vornähmen. Sie prüften, ob sie sofort einen Rettungswagen alarmieren müssten oder einen Arzt auf Hausbesuch vorbeischicken sollten. In weniger dringenden Fällen würden sie Anrufern den jeweiligen Bereitschaftsarzt nennen, der an Mittwoch- und Freitagnachmittagen sowie an Wochenenden und Feiertagen Dienst tue.

Sei keine Eile geboten, legten sie den Anrufern den Besuch beim Hausarzt zum nächstmöglichen Termin nahe. „Mit der Gesetzesänderung will der Gesundheitsminister erreichen, dass in den überlasteten Notaufnahmen der Krankenhäuser nur noch Notfälle landen“, erläutert der KVN-Sprecher.

Bei Politik und Verwaltung in Northeim sorgt die Aufkündigung der Leitstellen-Kooperation, die seit Juli 2017 lief, für Bedauern. Von „sehr positiven Erfahrungen“ spricht der Erste Kreisrat, Jörg Richert. Zwölf Prozent der Anrufer des Kassenärzlichen Bereitschaftsdienstes hätten notärztliche Behandlung benötigt. Der Kreistag forderte die KVN im November auf, das Modell fortzuführen und die Kündigung zum 31. März 2020 zurückzunehmen. Auch KVN-Sprecher Haske zeigt sich mit der Arbeit der integrierten Leitstelle „außerordentlich zufrieden“.

Im Kreistag Göttingen war unterdessen auf Initiative der CDU ein neuer Gesetzesentwurf von Spahn Thema, der 2020 im Bundestag behandelt wird. Danach soll der 112-Notruf künftig ebenfalls über die Patientenservicenummer laufen. Dagegen hat sich der Rat ausgesprochen, der einen Verlust seiner Kompetenzen im Bereich des Rettungsdienstes befürchtet.

 

Entnommen aus dem Eichsfelder Tageblatt vom 03.01.2019. Bericht Michael Caspar.